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Bedrohte Lebensräume
INFOE und Akademie Iserlohn laden zu Tagung über Indigene Völker und Ölförderung in Sibirien

    Zeit:    Freitag 26. August 2005 / 18:00 Uhr
    Ort:    Evangelische Akademie Iserlohn, Haus Ortlohn
    Veranstalter:    infoe und Evangelische Akademie Iserlohn

Endlose Weiten, ewige Kälte, Straflager, Tundra und
Taiga - diese und ähnliche Begriffe bekommt man zu
hören, wenn man auf der Straße zufällige Passanten
anspricht. Doch Sibirien ist weit mehr als das.
Es ist der Teil Russlands, aus dem der östliche
Nachbar den größten Teil seiner Bodenschätze bezieht.
Es ist das Öl-Dorado, das mit hohen Renditen
Investoren aus der ganzen Welt anlockt und es ist die
Region, auf welche die EU ihre Energiestrategie basiert
hat.


Doch auch dies ist nur ein Gesicht des Landes zwischen
Ural und Pazifik. Denn seine Tundren und Taigawälder
sind auch uralte Kulturlandschaften. Seit
tausenden von Jahren bewohnen, nutzen und prägen
die "kleinen indigenen Völker des Nordens" mit ihren
einzigartigen Kulturen dieses Land. In einer extremen
Umwelt haben sie als Rentiernomaden, Jäger, Fischer
und Sammler große Anpassungsfähigkeit bewiesen
und über die Jahrhunderte der Kolonialherrschaft
ihre kulturelle und soziale Eigenständigkeit
bewahrt.


Doch damit könnte es bald vorbei sein. Die Ausbeutung
der Öl- und Gasvorkommen hat bereits gigantische
Gebiete in ökologische Katastrophenzonen
verwandelt. Flüsse und Seen sind ölverseucht, Wälder
abgebrannt und Weideländer zerstört. Gegenüber
den mächtigen Ölkonzernen haben die indigenen
Gemeinschaften kaum eine Chance, ihre Rechte
durchzusetzen.


Wichtigster ausländischer Abnehmer sibirischer
Bodenschätze
ist Westeuropa, gleichzeitig stellt Russland
für Deutschland das bedeutendste Lieferland
dar. Deutsche Firmen sind der russischen Öl- und
Gaswirtschaft teilweise seit Jahrzehnten eng verbunden.
In keinem anderen Fall haben deutsche Unternehmenspolitik,
Lebensstil und Ressourcenverbrauch
hierzulande so direkten Einfluss auf Leben und Zukunftschancen
indigener Völker.


Diese Verbundenheit
als Chance zu begreifen ist Ziel der Tagung:
Wenn Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik in
Deutschland ihre Mitverantwortung für die Zukunft
der indigenen Gemeinschaften zwischen Ural und
Pazifik ernst nehmen, so könnten sie einen wichtigen
Beitrag dazu leisten, dass die einzigartigen Kulturen
des russischen Nordens auch am Ende dieses Jahrhunderts
noch fortbestehen.


Das vollständige Tagungsprogramm steht als PDF-Datei zum Download bereit.


Die Tagung wird gefördert durch die
Nordrhein-Westfälische
Landesstiftung für Umwelt und Entwicklung