Sibirien

Sachalin: Indigene blockieren Exxon-Anlagen

Lebensgrundlage durch Pipelinebau bedroht Seit dem 21. Januar blockieren Angehörige der indigenen Völker der Ul'ta, Nanai und Nivcha auf der zum Fernen Osten Russlands gehörenden Insel Sachalin Anlagen der Ölkonzerne Exxon und Sakhalin Energy Ltd.. Ihr Protest richtet sich gegen den geplanten Bau von zwei Ölpipelines von der Küste des Ochotskischen Meeres quer über die Insel. Die Pipelines sollen in einer seismisch hochaktiven Region über 1000 Flüsse und Bäche kreuzen, darunter die Laichgründe des Lachses, des wichtigsten Grundnahrungsmittels der UreinwohnerInnen. Außerdem werden die Pipelines die Migrationsrouten der Tiere durchkreuzen. Die Ölförderprojekte auf der Insel Sachalin gehören zu den bedeutensten Investionen im russischen Ölsektor der letzten Jahre. Zu den beteiligten Konzernen gehören Exxon, BP und Shell. Finanziert werden sie unter anderem durch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) Die indigenen Völker sehen sich in ihrer Existenz bedroht, nachdem in den vergangenen acht Jahren die Ölförderung den Fischbeständen bereits schweren Schaden zugefügt hat, ohne dass sie dafür eine adäquate Entschädigung erhalten hätten. Nun fordern sie die Durchführung einer unabhängigen Untersuchung der wahrscheinlichen Projektfolgen sowie die Gewährleistung angemessener Entschädigungen. Die beteiligten Konzerne weigern sich bislang, auf die Forderungen einzugehen. Nachdem an der ersten Protestdemonstration am 20. Januar bereits jeder zehnte Ureinwohner Sachalins teilgenommen hatte, wurden in den folgenden Tagen verschiedene Anlagen der beteiligten Konzerne blockiert. Über 100 Menschen - indigene und Umweltschützer - sperrten am 21. Januar bei klirrender Kälte von -30 Grad die Zufahrtswege zu Anlagen des Ölmultis Exxon, der für das Sachalin-I-Projekt verantwortlich ist, am folgenen Tag waren Anlagen des Joint-Ventures "Sakhalin Energy Ltd." Ziel der Aktionen. Dabei kam es zu kleineren Auseinandersetzungen mit heimkehrenden Ölarbeitern, die von den Protestorganisatoren entschärft werden konnten. Unterdessen erklärten Ureinwohner aus anderen Teilen Russlands ihre Solidarität mit den Protestierenden. In einem offenen Brief erklärt eine Vereinigung der Kamtschadalen im Süden der Halbinsel Kamtschatka "Wenn wir jetzt nicht unseren Freunden auf Sachalin beistehen, könnte es morgen zu spät sein." Mittlerweile greifen auch russische Massenmedien das Thema auf, so die englischsprachige Moscow Times http://www.moscowtimes.ru/stories/2005/01/21/044.html, die Nachrichtenagentur ITAR-TASS und die Online-Zeitung Gazeta.ru. Die US-amerikanische NGO Pacific Environment and Resources Center berichtet auf einer Sonderseite ausführlich über die Vorgänge auf der fernöstlichen Insel und hält auch eine Online-Petition bereit, mit der Protestschreiben direkt an die beteiligten Konzerne und Verwaltungsorgane gerichtet werden können. Weitere Informationen auch bei http://www.forest.ru/eng/projects/sakhalin-oil/ (in englischer Sprache)