Sibirien

Bedrohte Lebensräume

INFOE und Akademie Iserlohn laden zu Tagung über Indigene Völker und Ölförderung in Sibirien

Endlose Weiten, ewige Kälte, Straflager, Tundra und Taiga - diese und ähnliche Begriffe bekommt man zu hören, wenn man auf der Straße zufällige Passanten anspricht. Doch Sibirien ist weit mehr als das. Es ist der Teil Russlands, aus dem der östliche Nachbar den größten Teil seiner Bodenschätze bezieht. Es ist das Öl-Dorado, das mit hohen Renditen Investoren aus der ganzen Welt anlockt und es ist die Region, auf welche die EU ihre Energiestrategie basiert hat.

Doch auch dies ist nur ein Gesicht des Landes zwischen Ural und Pazifik. Denn seine Tundren und Taigawälder sind auch uralte Kulturlandschaften. Seit tausenden von Jahren bewohnen, nutzen und prägen die "kleinen indigenen Völker des Nordens" mit ihren einzigartigen Kulturen dieses Land. In einer extremen Umwelt haben sie als Rentiernomaden, Jäger, Fischer und Sammler große Anpassungsfähigkeit bewiesen und über die Jahrhunderte der Kolonialherrschaft ihre kulturelle und soziale Eigenständigkeit bewahrt.

Doch damit könnte es bald vorbei sein. Die Ausbeutung der Öl- und Gasvorkommen hat bereits gigantische Gebiete in ökologische Katastrophenzonen verwandelt. Flüsse und Seen sind ölverseucht, Wälder abgebrannt und Weideländer zerstört. Gegenüber den mächtigen Ölkonzernen haben die indigenen Gemeinschaften kaum eine Chance, ihre Rechte durchzusetzen.

Wichtigster ausländischer Abnehmer sibirischer Bodenschätze ist Westeuropa, gleichzeitig stellt Russland für Deutschland das bedeutendste Lieferland dar. Deutsche Firmen sind der russischen Öl- und Gaswirtschaft teilweise seit Jahrzehnten eng verbunden. In keinem anderen Fall haben deutsche Unternehmenspolitik, Lebensstil und Ressourcenverbrauch hierzulande so direkten Einfluss auf Leben und Zukunftschancen indigener Völker.

Diese Verbundenheit als Chance zu begreifen ist Ziel der Tagung: Wenn Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik in Deutschland ihre Mitverantwortung für die Zukunft der indigenen Gemeinschaften zwischen Ural und Pazifik ernst nehmen, so könnten sie einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass die einzigartigen Kulturen des russischen Nordens auch am Ende dieses Jahrhunderts noch fortbestehen.

Das vollständige Tagungsprogramm steht als PDF-Datei zum Download bereit.

Die Tagung wird gefördert durch die Nordrhein-Westfälische Landesstiftung für Umwelt und Entwicklung