Sibirien

Infoe-Magazin 19: "Die Taiga im Tank"

Russlands indigene Völker und das Erdöl

Erdöl ist ein besonderer Saft. Von keinem anderen Rohstoff hängen moderne Industriegesellschaften in stärkerem Maße ab. Für Erdöl werden Regierungen gestürzt und Kriege geführt. Versorgungssicherheit ist, wie es in der Sprache der Berufspolitiker heißt, allerorten „Chefsache“. Doch wer bezahlt den Preis für diese Sicherheit?

Wie bei vielen anderen Rohstoffen sind es auch im Falle des Erdölszunehmend indigene Völker, deren Land und Lebensweise zum Opfer des globalen Öldurstes wird.

Russland demonstriert dies wie kein zweiter Fall. Täglich packt der deutsche Autofahrer „die Taiga in den Tank.“ Aus keinem Land der Erde importiert die Bundesrepublik mehr fossile Energieträger, als aus dem traditionellen Siedlungsgebiet der „kleinen indigenen Völker“. Grund genug, dieser Weltregion fast eine vollständige Ausgabe des INFOE-Magazins zu widmen.

Viele der Autoren, die in diesem Heft zu Wort kommen, sind von den Problemen, über die sie berichten, selbst unmittelbar betroffen: Valentina Semjaschkina, couragierteste Umweltschützerin der Komi-Republik warnte Anfang der 90er Jahre vergeblich vor einer drohenden Ölkatastrophe, die dann 1994 Wirklichkeit wurde. Bis heute steht sie unermüdlich in der Auseinandersetzung mit Konzernen und Staatsbürokratie. Alexei Limanso, Sprecher der indigenen Völker Sachalins steht als David gegen ein ganzes Konsortium von Goliaths, die vor der Küste der fernöstlichen Halbinsel eines der weltgrößten Ölprojekte realisieren. Ergänzt werden Berichte der Betroffenen durch den Blick des wissenschaftlichen Beobachters: Welche Konzepte, welche geschriebenen und ungeschriebenen Regeln bestimmen dieses Spiel? Was beinhalten Begriffe wie „Volk“ und „indigen“ im russischen Kontext? Welche Geschichte liegt ihnen zugrunde?

Zentral ist, wie immer, wenn es um indigene Völker geht, die Forderung nach Rechten. „Landrechte sind der Schlüssel“, stellt Michael Todyschew, Vizepräsident des Indigenen-Dachverbands RAIPON im Interview fest. Doch „Russland ist groß und der Zar ist weit“ – Recht zu haben und Recht zu bekommen ist nicht immer dasselbe.

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Aus dem Inhalt:
  • Johannes Rohr: Die große Schlacht um das Fell des Bären. Ressourcenausbeutung bei den indigenen Völkern des Nordens
  • Stefan Dudeck: Westsibirien: Wieviel kostet ein Indigener?
  • Valentina Semjaschkina: Erdölförderung, Alu-Hütten und Weltraumschrott Industrielle Erschließung bedroht den Lebensraum der Ishma-Komi
  • Alexej Limanso: Offensive gegen Ölkonzerne auf Sachalin Erdölförderung gefährdet Lebensgrundlage der indigenen Völker
  • Brian Dohahoe/Agnieszka Halemba: Die indigenen Völker Sibiriens: Landrechte, Legalismus und Lebensstil
  • Karsten Smid: Die rücksichtslose Ausbeutung des Russischen Erdöls
  • Larissa Abrjutina: Dauergifte im russischen Norden
  • Wolfgang Blümel: Klimawandel. Wärmetod uralter Kulturen.
  • Detlef Flintz: Die Sibirien-Connection. Eine Staatsbank macht in Öl
  • Gulwaira Schwermatowa: Privatisierung der Wälder: Neue Gesetzgebung in Russland Rechte der indigenen Völker werden beschnitten
  • Max Mader: Wege des Widerstands. Indigene Strategien gegen die Ölindustrie
  • Juri Vella Die Stimme der Wald-Nenzen
  • Interview: Michail Todyschew: "Landrechte sind die Schlüsselfrage"
  • Diego Garcia: Kampf um Clayoquot Sound

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