Sibirien

Ewenken protestieren gegen Staudammbau

Wasserkraftwerk Turuchansk soll weite Teile des Ewenkengebiets überschwemmen Im ehemaligen Autonomen Kreis der Ewenken fürchten die dort lebenden Ureinwohner, dass weite Teile ihres Landes bald unter dem größten künstlichen See der Erde für immer verschwinden könnten: Das Wasserkraftwerk Turuchansk, ein in den 70er Jahren entwickelter gigantomatischer Plan zum Bau eines Stausees mit über 9000 m² Fläche soll nicht nur fünf ewenkische Siedlungen unter sich begraben, sondern auch Tura, die Hauptstadt, des Anfang 2007 aufgelösten autonomen Gebiets. Im Folgenden dokumentieren wir einen offenen Brief von V. A. Koptelko, dem Vorsitzenden der Assoziation der Ewenken "Arun". Weitere Informationen auch auf der Website des Lauravetlan-Netzwerks

Èvenkil!
Girkil, aknil, èknil minè doldykallu!

Zu uns ist schreckliches Unheil gekommen! Zum wiederholten Mal wollen es die Pläne des Leningrader Forschungsinstituts "Gidroproekt" und der Russischen Aktiengesellschaft "Unified Energy Systems", dass unsere Tunguska mit ihren Wassern das Land unserer Vorfahren, unsere Häuser, die Gräber unserer Väter, die Rentierweiden und Jagdpfade überfluten und letztlich die Ewenken aus Ewenkien vertreiben soll! Wir Ureinwohner des Nordens sollen gezielt unserer kleinen Heimat beraubt werden! Zuerst nahmen uns die Politiker den Status als Föderationssubjekt [anm: Der Autonome Kreis der Ewenken wurde zum 1. Januar 2007 in die Provinz Krasnojarsk einverleibt.], jetzt vertreiben uns Energiewirtschaft und Ölindustrie aus unserem angestammten Land. Durch unsere Vertreibung soll der Bevölkerung jenseits [westlich] des Urals Wärme und Licht bringen und den Konzernmonstern große Gewinne bringen. Fünf ewenkische Siedlungen sollen überflutet werden: Tutontschany, Utschami, Nidym, Kilokan, Jukta wie auch das administrative Zentrum Tura! Dort, wo jetzt noch unsere Kinder spielen und die Welt ihrer Vorfahren ergründen/kennenlernen, werden stumm die Wasser eines toten versalzenen Meeres schwappen! Und dies soll alles sein, das unseren Enkeln und Nachfahren bleibt? Und das im Jahr der Annahme der Deklaration der Rechte der Indigenen Völker der Erde durch die UNO. Turukè ist ein versalzener Ort! Jeden Winter wird das Wasser unseres Flusses ungenießbar, nach dem Bau des Staudamms wird das Wasser leblos sein und alles Leben um sich herum verderben. Unsere Ernährerin, die Tunguska wird den Namen bestätigen, den die Zugewanderten ihr gegeben haben: Der Düstere Fluss. Jetzt sind wir nur noch halb so viele wie in den 80er Jahren und wir alle, die die schweren Jahre der "Reformen" überlebt haben müssen "NEIN ZUR ÜBERFLUTUNG AN DER UNTEREN TUNGUSKA" sagen! Unified Energy Systems verspricht, dafür Geld zu geben, dass wir in neue Siedlungen umziehen, die sie an anderen Orten bauen werden oder dass wir einen neuen Wohnort an einem beliebigen Ort in Russland suchen. Wie soll man uns nennen, wenn wir unser Land aufgeben? NEIN - DAS LAND UND DIE HEIMAT DER VORFAHREN WERDEN WIR NICHT VERKAUFEN! Liebe Stammesbrüder! Verehrte Landsleute! Ich appelliere an alle, denen die Heimat teuer ist - steht auf für den Schutz unserer Mutter, der Unteren Tunguska! Sagt Euer NEIN zu den wahnwitzigen Plänen der Kapitalisten! Hier, in diesem Land, das der Himmel uns zugeteilt hat, lebten unsere Vorfahren, hier leben wir, hier werden unsere Kinder und Nachfahren leben. W.A. Koptenko Präsident der ewenkischen Vereinigung "Arun"