Wald

Dem Iroquois National Team wird die Teilnahme an der Lacrosse WM 2010 in GB verweigert

Pässe der Nation in der Nation werden auf einmal nicht mehr anerkannt Vom 15.07 - 24.07.2010 fand die Lacrosse WM in Manchester statt. Das Iroquois National Team hatte sich qualifiziert, es steht auf Platz 4 der Weltrangliste und die Spiele sollten mit einer offiziellen Zeremonie der Haudenosaunee eröffnet werden. An der WM nahmen insgesamt 30 Nationen teil, nur nicht die Nation, die diesen Sport der Welt zum Geschenk machte. Warum? Als anerkannte eigenständige "Nation in der Nation" verfügen die Haudenosaunee über eigene Pässe, die bisher eine problemlose Ein- und Ausreise ermöglichten. Seit 1977 reisen sie mit ihren Papieren zu allen internationalen Wettkämpfen, u.a. waren sie auch zweimal in Großbritannien (1985, 1994). Selbst in der Ära Bush gab es damit keine Probleme, doch das hat sich nun geändert. Das Team geriet in eine internationale Bürokraten-Farce. Obwohl Obama versprach, die indianischen Nationen auf Augenhöhe anzuerkennen, erhielt das Team am 8. Juli vom US Department of State und dem Department of Homeland Security die Auskunft, dass ihre Papier nicht länger ausreichen. Die US-amerikanischen Behörden waren nicht bereit, die Sportler mit ihren Pässen nach der WM wieder einreisen zu lassen. Das Team wollte am 10.Juli nach Manchester aufbrechen, um sich in Ruhe auf das Eröffnungsspiel am 15.07 vorzubereiten. Nun begann ein Wettlauf gegen die Zeit: Großbritannien hatte sich geweigert, Einreisevisa auszustellen, da die USA nicht die Rückreise gewährleisten wollten. Hillary Clinton erteilte schließlich eine Ausnahmegenehmigung, die Teilnahme schien gerettet. Doch die Farce ging weiter. Die Spieler saßen tagelang am New Yorker Flughafen fest und hofften auf eine Lösung, leider vergebens. Denn nun ließ Großbritannien verlauten, sie seien herzlich willkommen, sofern sie mit gültigen kanadischen oder US-amerikanischen Papieren reisen würden, keinesfalls akzeptiere man Haudenosaunee Papiere. Trainer Freeman sagte: "Wir sind Lacrosse-Spieler, keine Terroristen. Zugegeben, wir leben in der Ära nach 9/11, aber wenn wir unsere Souveränität aufgeben, dann waren all die Kämpfe um unsere Verträge umsonst." Es gibt schon seit längerem ein Komitee der Haudenosaunee, das sich damit beschäftigt, die Pässe an internationale Sicherheitsstandards anzupassen. Es könnte noch dieses Jahr gelingen, aber für die WM ist das leider zu spät. Das ganze Team steht hinter der Entscheidung, nur mit den eigenen Pässen zu reisen und die Nation steht hinter ihrem Team. "Mit unseren Pässen zu reisen ist eine Sache des Stolzes", sagte Sportdirektor Percy Abrams. "Wir waren schon Haudenosaunee, bevor Kanada oder die USA erfunden wurden, wir sind es noch und bleiben es auch. Mit der Annahme fremder Pässe würden wir unsere Identität verleugnen." Mit der Entscheidung die indigene Souveränität nicht aufzugeben und nicht den leichten Weg zu gehen, indem sie mit kanadischen und US-amerikanischen Papieren reisen, wurden sie zu Vorbildern der indigenen Bewegung. Es heißt durch die Signalwirkung haben sie gewonnen ohne zu spielen. Ihr Verzicht findet Respekt, Anerkennung und macht anderen Gruppen Mut.
Die "HAUDENOSAUNEE" Bekannt als Irokesen, nennen sie sich selbst Haudenosaunee, "Bewohner des Langhauses". Ihr Gebiet befindet sich im Nord-Osten der USA und Kanada in den Wäldern und an den Großen Seen. Circa 75.000 Haudenosaunee leben heute in Ontario und dem Staat New York. Der Bund der fünf, später sechs, Nationen entstand durch den Zusammenschluss sprachverwandter Völker auf der Grundlage des großen Gesetztes des Friedens. Sie bildeten einen Liga-Rat, der später zum Vorbild des US-amerikanischen Regierungssystems wurde, ihre Verfassung ging zu großen Teilen in die US-amerikanische ein. 1987 wurde offiziell vom Kongress der Vereinigten Staaten der Beitrag der Haudenosaunee zum konstitutionellen System der USA anerkannt. Die USA und die Haudenosaunee haben Verträge der gegenseitigen Anerkennung, als souveräne Nation sind die Haudenosaunee berechtigt, eigene Pässe auszustellen und gelten als "Nation in der Nation". Vor diesem Hintergrund drängen sich einige Fragen auf: Wieso werden plötzlich die Haudenosaunee-Papiere nicht mehr anerkannt? Wie lässt sich die rechtliche Grundlage damit vereinbaren, dass die USA den Haudenosaunee ihr Hoheitsrecht absprechen und das Recht auf eine Rückkehr in ihre eigenen Gebiete verwehren wollte? Wie sollten die Haudenosaunee eine nationale Bedrohung für die USA darstellen, wenn sie mit ihren Pässen reisen? Was veranlasste Großbritannien, kurzfristig die Taktik zu ändern? Was wurde befürchtet?
Informationen zu LACROSSE Dieser Sport hat eine lange Tradition. Er entstand vor einigen hundert Jahren im Gebiet der Großen Seen, im heutigen Grenzgebiet zwischen USA und Kanada. 1636 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Ein französischer Missionar beobachtete ein bereits damals schon altes, traditionelles Spiel der Huronen in Ontario. Der Schläger erinnerte ihn an einen Bischofsstab und führte zum europäisierten Namen “Lacrosse“. Der ursprüngliche Name lautet Tewaraathon oder Baggataway und bedeutet “Kleiner Bruder des Krieges”. Es war ein spirituelles Spiel, das seit den Schöpfungsmythen einen wichtigen Platz in der Kultur einnahm. Tewaraathon war ein Massensport, ohne Spielfeldbegrenzung, ein Spiel konnte sich über Tage hinziehen. Es wurde gespielt, um Heilung oder Regen zu erbitten, galt aber auch aufgrund des hohen körperlichen Einsatzes als Vorbereitung für kriegerische Auseinandersetzungen und so manche Fehde wurde durch den kleinen Bruder des Krieges besänftigt, sodass ein richtiger Krieg verhindert werden konnte. Lacrosse ist die älteste heute noch bekannte Mannschaftssportart, sie wurde allerdings mit der Zeit etwas modifiziert. Heute treten 2 Mannschaften à 10 Spieler gegeneinander an. Gespielt wird mit einem kleinen Ball aus Hartgummi und einem Schläger an dessen Ende sich ein käscherartiges Netz befindet. Damit wird der Ball gefangen, geworfen, gepasst und getragen. Ziel ist es den Ball ins gegnerische Tor zu bekommen. Auf dem Weg dorthin darf der Gegner sowohl mit dem Schläger als auch durch Körperkontakt daran gehindert werden. Eine schützende Ausrüstung mit Helm ist erforderlich. Es ist ein schnelles, körperbetontes Spiel, das hohe Ansprüche an die Kondition, Geschicklichkeit, aber auch an den Teamgeist der Spieler und ihr strategisches Vorgehen stellt In der Zeit, in der die indigene Identität zu schwinden drohte, nahm auch die Bedeutung von Tewaraathon ab, mit der Rückbesinnung auf die eigenen Traditionen hat sich dies geändert. Baggataway Turniere waren und sind seit Jahrzehnten wieder Kernpunkte der Tradition und bei den Stammestreffen der Höhepunkt. Der Grand Council of Chiefs der Haudenosaunee setzt sich heute zum größten Teil aus ehemaligen Lacrosse Spielern zusammen. Mit diesem Hintergrund mag man eventuell ermessen, was der Verzicht auf die Teilnahme bedeutet.