Yasuní

Erneute Eskalation der Gewalt im Yasuni – Angriff der Taromenane auf die Waorani

Um ihr Territorium und Rückzugsgebiet in den tropischen Wäldern des Yasuni im ecuadorianischen Amazonastiefland zu verteidigen, griff eine der letzten nicht‐kontaktierten und in freiwilliger Selbstisolation lebenden indigenen Gruppen erneut zu den Waffen. Durch den Angriff der Taromenane auf die Waorani dreht sich die Spirale der Gewalt weiter, die durch die Ölförderung und zunehmende Ressourcenausbeutung im Yasuni angetrieben wird.

von Philip Gondecki

Lanzas Crusadas

Im Konflikt mit den isoliert lebenden indigenen Gruppen der Tagairi und Taromenane in der Yasuní‐Region kam es am Abend des 5. März 2013 erneut zu einem tragischen Vorfall, bei dem der siebzigjährige Ompore und seine Frau Bogenei aus der Waorani Gemeinschaft Yarentaro durch einen Angriff mit Kriegslanzen zu Tode kamen. Die beiden befanden sich zum Jagen und Sammeln von Wildfrüchten im Wald nahe ihrer Siedlung als sie laut César Nihua, dem Präsidenten der Organización Waorani de Orellana (ONWO), von einer Gruppe der Taromenane angegriffen wurden, die sich durch den Lärm und die Umweltauswirkungen der Ölförderung und das zunehmende Eindringen von Fremden in die Wälder des Yasuni bedrängt und existentiell bedroht fühlen, wofür sie Ompore und Bogenei mitverantwortlich machten, da diese in der Waorani Siedlung Yarentaro an der Zugangsstraße zum Block 16 im Yasuni lebten, in dem seit Mitte der 1990er Jahre vom Unternehmen Repsol‐YPF Erdöl gefördert wird. Für die fossile Ressourcenextraktion wurde neben weiterer Infrastruktur eine Zugangsstraße vom Napo, einem großen Zufluss am Oberlauf des Amazonas, bis weit hinein in die Wälder und Kernzone des Yasuni Nationalparks im ecuadorianischen Amazonastiefland gebaut. Die Ölstraße wird seit langem von zahlreichen Akteuren und Wissenschaftlern scharf kritisiert hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die indigene Bevölkerung und biologische Vielfalt der Fauna und Flora im Yasuni.

Die politischen Organisationen der Waorani, ONWO, NAWE und AMWAE, weisen seit Jahren darauf hin, dass die isolierten indigenen Gruppen der Tagairi und Taromenane sich durch die voranschreitende Erschließung des Yasuni für die Ölförderung und Ausbeutung von Edelhölzern in ihren letzten Rückzugsgebieten in der Region zunehmend eingeschränkt und bedroht fühlen. Der tödliche Angriff auf Ompore und Bogenei schürt alte und neue Konflikte, Feindschaften und Auseinandersetzungen zwischen den kontaktierten und an der Ölstraße lebenden Gemeinschaften der Waorani und den nicht‐kontaktierten, zurückgezogen und isoliert lebenden Gruppen der Tagairi und Taromenane, die mit den Waorani verwandt sind, aber jeglichen Kontakt mit Fremden und allen Kowori – nicht‐Waorani – vermeiden.

Die erneute Eskalation der Gewalt wird den konfliktiven Prozess notwendiger Schutzmaßnahmen für die isolierten und frei umherschweifenden indigenen Gruppen im Yasuni weiter erschweren, vor allem wenn die Ölförderung in der Region wie bisher weiter vorangetrieben wird und zusehends immer weitere Gebiete der letzten noch unberührten Wälder und indigenen Rückzugsgebiete im Yasuni erfasst.

 

Ölunfälle im Yasuní

Zwei Ölunfälle im Einflussbereich des Yasuní Nationalparks und der Schutzzone
für die isolierten indigenen Völker der Tagaeri und Taromenane im Mai 2012

Nachricht auf der Grundlage des Berichts »Impactos de dos derrames petroleros acontecidos en la zona de incidencia de la Zona Intangible Tagaeri Taromenane (ZITT) en Mayo 2012« von Roberto Narváez, Fundación Pachamama, Ecuador; Übersetzung und Kommentierung durch Sibylle Maurer-Wohlatz und Philip Gondecki.

Während die Yasuni-ITT-Initiative die Vielfalt des Lebens in einem Teil des Yasuní Nationalparks zu schützen beabsichtigt, nimmt die Schädigung und Zerstörung des Yasuní durch die Ölförderung an anderer Stelle ihren tragischen Lauf.

Am 1. Mai 2012 sind mindestens 10 Barrel Rohöl aus einer Leckage durch ein geplatztes Ventil im Ölfeld Cononaco des ecuadorianischen Ölkonzerns Petroecuador im Yasuní Biosphärenreservat ausgetreten. Der Ölunfall ereignete sich im Sektor Cononaco Chico im Süden der Amazonasprovinz Orellana. Das ausgelaufene Rohöl hat sich über die Flüsse Quehuiparo, Shiripuno und Cononaco weiter ausgebreitet und den Yasuni Nationalpark sowie die Schutzzone für die isolierten indigenen Bevölkerungsgruppen der Tagaeri und Taromenane erreicht. Der Ölunfall betrifft mehrere lokale Anwohner und indigene Siedlungen der Shuar und Waorani und bedroht insbesondere das Leben der nicht kontaktierten indigenen Völker, die das betroffene Gebiet zwischen den Flüssen Tiputini und Curaray als Rückzugsgbiet und Lebensraum beanspruchen.

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INFOE unterstützt bundesweite Yasuni-Kampagne

Start der bundesweiten Kampagne und Solidaritätsaktion
"Das Überleben vom Yasuni hängt auch von dir ab!"

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INFOE unterstützt das Bündnis und bundesweite Netzwerk engagierter Verbände, Gruppen und Organisationen zum Schutz der einzigartigen, biologischen und kulturellen Vielfalt im Amazonas-Regenwald des Yasuni-Nationalparks und Biosphärenreservats im ecuadorianischen Amazonastiefland, die durch die Förderung fossiler Ressourcen existentiell bedroht ist.


Noch besteht Hoffnung, die weitere Ausdehnung der Erdölförderung im Yasuni zu stoppen, die Ölvorkommen im Sinne der Yasuni-ITT-Initiative für immer im Boden zu lassen und damit einen effektiven Beitrag zum Biodiversitäts- und Klimaschutz zu leisten und die amazonischen Regenwälder des Yasuni als artenreichsten Lebensraum der Erde zum Wohl der Weltgemeinschaft zu erhalten.

Auch Sie können mithelfen!

Weitere Informationen und die Möglichkeit einer solidarischen Spende für den Yasuni finden Sie unter http://www.saveyasuni.eu/

Kontakt: Philip Gondecki (Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!)

Yasuni - noch ist es nicht zu spät für die Vielfalt des Lebens!

Yasuni darf nicht sterbenDie Zeit drängt und bald könnte es ernst werden!!! Aber noch ist es nicht zu spät, um die einmalige, biologische und kulturelle Vielfalt im Yasuni Nationalpark vor den zerstörerischen Auswirkungen der drohenden Ausweitung der Erdölförderung im ecuadorianischen Amazonastiefland zu bewahren.


Mit der Yasuní-ITT-Initiative macht Ecuador der internationalen Staatengemeinschaft seit 2007 einen innovativen Vorschlag zum Umwelt- und Klimaschutz. Das südamerikanische Land, das seit Jahrzehnten von der Erdölförderung wirtschaftlich abhängig ist, würde zum Wohl für die Weltgesellschaft auf die weitere Ausbeutung seiner größten Reserven von rund 900 Millionen Tonnen Erdöl im Block Ishpingo-Tambococha-Tiputini (ITT) im Yasuní verzichten, wenn die Hälfte der zu erwartenden Verluste von der Weltgemeinschaft mitgetragen und in einen speziell eingerichteten Yasuni-ITT-Treuhandfonds unter Aufsicht des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) eingezahlt werden.

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