Santa Clara Uchunya und FECONAU reichen Klage gegen peruanische Behörden und auf Schutz vor Palmölunternehmen ein

INFOE veröffentlicht im Rahmen seiner Koordinationsarbeit zu indigenen Territorien in Peru die Pressemitteilung des Verbandes der indigenen Gemeinschaften des Ucayali (FECONAU), Mitgliedsverband von ORAU - AIDESEP – COICA, Jiron Callería No. 772, Yarinacocha, Pucallpa, Peru:

Am 26. Mai 2016 hat die Gemeinschaft der Shipibo von Santa Clara Uchunya und der Verband der indigenen Gemeinschaften von Ucayali (FECONAU) eine Klage gegen die Regionale Landwirtschaftsdirektion Ucayali eingereicht, die sich gegen die Ermöglichung des illegalen Erwerbs von mehr als 5.000 Hektar des traditionell bewohnten Gebietes und seine Umwandlung in Ölpalmplantagen wendet.

Die peruanischen Behörden haben seit vielen Jahren die beantragte Titulierung des traditionellen Territoriums der Gemeinschaft verzögert und dann ohne Wissen der Gemeinde, willkürlich und verfassungswidrig, an mehr als 200 Siedler, sog. „cólonos“, die nicht zur Gemeinschaft gehören, Besitztitel für Ländereien auf dem indigenen Territorium vergeben. Anschließend konnte das Unternehmen Plantaciones Pucallpa diese Titel aufkaufen, obwohl sie damit gesetzlich vorgesehene kollektive Eigentumsrechte der Gemeinschaft verletzten.

Ebenso wurde Beschwerde gegen die Firma Plantaciones Pucallpa S.a.c. wegen der Verletzung von Eigentumsrechten der Gemeinschaft und Zerstörung des Waldes, einschließlich Primärwaldes, auf den indigenen Territorien eingelegt. Die Vernichtung von Flora und Fauna durch das Unternehmen geht wiederum zu Lasten der Gemeinschaft, die in in hohem Maße für ihre Ernährung und das soziale Überleben von natürlichen Ressourcen in dem Bereich abhängt.

Neyra Sangama, eine indigene Führerin der Gemeinschaft Santa Clara Uchunya, sagt: "Die von der Firma abgeholzten Wälder waren unsere natürliche Lebensgrundlage. Diese Wälder gibt es heute nicht mehr. […] Diese Handlungen verletzen die Grundrechte der indigenen Völker auf kollektives Eigentum und Besitz der traditionellen Gebiete, auf ethnische Identität, Selbstbestimmung und die selbstbestimmte Wahl eines Entwicklungsmodells, die Nutzung der Umwelt und ihrer natürlichen Ressourcen auf angemessene und ausgewogene Weise. Auch wird der Staat seiner in der Verfassung verankerten Pflicht zum Schutz jener von Ungleichbehandlung betroffenen Sektoren und der international anerkannten Menschenrechte nicht gerecht.“

"Im Rahmen unserer Verfassung und gemäß internationaler Abkommen wie der ILO-Konvention 169, die der peruanischen Staat ratifiziert hat, haben indigene Völker das Recht auf Eigentum an ihrem Territorium, unabhängig davon, ob sie Besitztitel haben oder nicht ", sagt Juan Carlos Ruiz Molleda, Staatsrechtler und Spezialist für Indigene Gesetze des Instituto de Defensa Legal (IDL), welches technische Unterstützung für die Klage bietet.

Der Präsident der indigenen Gemeinschaft von Santa Clara Uchunya, Nunta Joel Valera, berichtet, dass "fremde Leute kommen, bedrohlich und einschüchternd, die unter den Bewohnerinnen und Bewohnern der Gemeinde Angst und Schrecken verbreiten, als Vergeltung für verschiedene Beschwerden und Aktionen der Gemeinschaft zur Verteidigung ihres Territoriums.“

Pressekonferenz von FECONAU am 26.5.16

Schließlich fordert der Präsident der Föderation der indigenen Gemeinschaften des Ucayali und seiner Zuflüsse (FECONAU), Herr Robert Guimaraes (oben im Bild bei der Pressekonferenz am 26.5.16, Foto: FECONAU), dass die Landesregierung, das Ministerium für Landwirtschaft und das Ministerium für Umwelt eine dezidiertere Haltung für den Schutzder territori alen Rechte, der Gemeinschaft und den Schutz der Umwelt und der Wälder einnehmen soll. Bloße Erklärungen und Verlautbarungen reichen nicht aus, es braucht konkrete Maßnahmen und Aktionen. Wir wenden uns an Menschenrechtsorganisationen und internationale Geber, die erklärt haben, den peruanischen Staat bezüglich seiner Strategie gegen Entwaldung zu unterstützen und indigene Landrechte zu respektieren. Einerseits werden Gelder für den Schutz des Waldes entgegen genommen und andererseits wird die Zerstörung und die Verletzung unserer Territorien ermöglicht.

Es gibt mehr als 1200 indigene Gemeinschaften, wo die Titulierung der Territorien noch aussteht, womit ein Klima des Konflikts und der Bedrohung indigener Führungspersönlichkeiten im peruanischen Amazonasgebiet geschaffen wird. Der Mord an den Asháninka-Führern von Saweto hat uns gelehrt, dass der Staat erst auf das Problem aufmerksam wird, wenn es Tote gibt. Wir wollen keine weiteren Morde an Führungspersönlichkeiten der Gemeinschaften!"

INFOE unterstützt den peruanischen Dachverband der indigenen Organisationen des peruanischen Tieflandes , AIDESEP, beim Schutz der indigenen Territorien. Die Absichtserklärung zu Net Zero Deforestation zwischen den Staaten Peru, Norwegen und Deutschland will die Autorisierung des Wandels von Waldland zu Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung in Peru beenden und die Titulierung von indigenen Territorien, deren Bedeutung für den Waldklimaschutz im Rahmen ihrer traditionellen Bewirtschaftung und Nutzung anerkannt wird, vorantreiben. Vertreter der deutschen und der norwegischen Botschaft werden laut FECONAU im Juni vor Ort nach Pucallpa reisen, um dort auch mit den indigenen Organisationen zu sprechen.

Besuch am 29.4.16 im BMZ, Foto: T.Brose (Klima-Bündnis)

Im Rahmen der Rundreise von Robert Guimaraes und Sedequías Ancon Chávez durch Europa, in die uns die Organisatoren von Forest Peoples Programme freundlicher Weise einbezogen, konnte INFOE in Deutschland ein Gespräch mit Vertretern der beiden Ministerien BMUB und des BMZ vereinbaren, in dessen Rahmen die beiden indigenen Repräsentanten über aktuelle Entwicklungen und insbesondere die Palmölproblematik in Peru informierten und die Kooperation mit den deutschen Institutionen besprachen.

Vertreter indigener Völker warnen in Europa vor Auswirkungen von Palmölgewinnung

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Vom 27. April bis zum 4. Mai 2016 werden indigene Vertreter aus den Tropenwaldländern in Asiens, Afrikas und Südamerikas Brüssel, die Niederlande, Deutschland und Großbritannien bereisen, um bei hochrangigen Politikern und Entscheidungsträgern Bewusstsein für die Folgen zu wecken, die Palmölanbau für die indigenen Völker ihrer Länder hat.

Wer: Franky Samperante und Agus Sutomo aus Indonesien; Ali Kaba aus Liberia; Robert Guimaraes Vasquez und Sedequías Ancon Chávez aus Peru; und Willian Aljure aus Kolumbien
Wann: Mittwoch, 27. April bis Mittwoch 4. Mai 2016
Wo: Mehrere Veranstaltungsorte in Brüssel, Den Haag, Rotterdam Hafen, Bonn, Köln und London

Europas steigende Nachfrage nach Palmöl bedroht die Lebensgrundlagen und das Dasein vieler indigener und Wald vom abhängiger Gemeinschaften in der ganzen Welt. Die schnelle und aggressive Expansion industrieller Ölpalmenplantagen und der damit verbundenen Verarbeitungsfabriken zur Befriedigung der Nachfrage  globaler Märkten nach Speiseölen und Biokraftstoffen erzeugt mehrere Landkonflikte, Vertreibungen, Menschenrechtsverletzungen, Klimaschäden, Waldverlust und Umweltschäden in Südostasien, Lateinamerika und Afrika.

Europa ist ein wichtiger Importeur von Palmöl und damit ein Verursacher der damit verbundenen Abholzung. Palmöl ist in jedem zweiten Produkt in unseren Supermärkten enthalten. Aus Palmöl werden wichtigste Zutaten für Hunderte von verarbeiteten Lebensmitteln, einschließlich Margarine, Schokolade und Eis erzeugt. Palmöl istauch weit verbreitet in industriellen Schmierstoffen, Kosmetika, Shampoos und Waschmitteln sowie in Biokraftstoffen. Betroffene Gemeinschaften und die Zivilgesellschaft in den Erzeugerländern beklagen, dass die derzeitigen freiwilligen Initiativen der Industrie, wie der Runde Tisch für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) und umstrittene Klimastandards wie die International Sustainability & Carbon-Certication (ISCC) nicht ausreichen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Sie und die mit ihnen verbündeten europäischen Nichtregierungsorganisationen erklären, dass eine robustere Regulierung der Palmölprodukte , die in die Europäische Union kommen benötigt wird, um die Rechte indigener Völker und die Wälder von denen weltweit 1,5 Milliarden Menschen als Quelle von Nahrung, Wasser, Sicherheit, Niederschlägen und sauberer Luft abhängen, effektiv zu schützen.

Weitere Details und Kontaktinformation finden Sie in englischer Sprache auf der Website des Forest Peoples Programme

Werner Aron 1944 — 2015

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Das Team von infoe trauert um unseren Freund und Mitstreiter Werner Aron, der am 15. August 2015 im Alter von 70 Jahren nach langer Krankheit gestorben ist. Werner war nicht nur einer der Gründer von INFOE sondern er blieb durch die Jahrzehnte stets eine tragende Säule der Organisation. Bis zuletzt, hat er uns trotz seiner schweren Krankheit unerschütterlich mit seinem vielfältigen Wissen, seiner Weisheit, seinem Humor und seinem Rat zur Seite gestanden.

Nach einem Sozialpädagogik-Studium kam Werner zur Ethnologie, die sein weiteres Leben entscheidend prägen sollte. Für viele Jahrzehnte engagierte sich Werner für Menschenrechte und internationale Solidarität, erwarb bei seinen Reisen nach Asien und Afrika tiefe Einblicke in die Lage der lokalen Bevölkerungen und knüpfte intensive Kontakte, die sein weiteres Leben entscheidend prägen sollten. Werner gehörte zu der Gruppe von Wissenschaftlern und Publizisten, die 1987 INFOE konzipierten und gründeten, als erste deutsche Organisation, die die untrennbare Verbindung zwischen dem Schutz der Menschenrechte indigener Völker und dem der natürlichen Mitwelt ins Zentrum ihrer Tätigkeit rückte.

Sein Leben stand im Zeichen eines unermüdlichen Engagements für die Rechte indigener Völker. Er war wesentlich für den Erfolg der Jabiluka-Kampagne gegen Uranförderung auf Aborigines-Land in Australien verantwortlich. Besonders am Herzen lagen ihm die Kultur und das Schicksal indigener Völker in Ostafrika und er hat zahlreiche Reisen nach Kenia unternommen.

Mit Werner verlieren mit ihm einen geistigen Vater, einen Mitstreiter der ersten Stunde und einen Freund, den wir sehr vermissen. Wir werden die Arbeit von INFOE in seinem Sinne weiterführen und so mit ihm und seinen Ideen verbunden bleiben. Wir danken allen, die uns mit ihren herzlichen Worten anlässlich Werners Tod Trost und die Gewissheit vermittelt haben, dass die Erinnerung an ihn fortlebt.

 

INFOE und Partner stellen Studie über UN-Leitprinzipien vor

Am Donnerstag, den 11. Juli in einem Side Event bei der Expertenmechanismus für die Rechte indigener Völker, haben das Europäische Netzwerk für Indigene Völker (ENIP), zu deren Gründungsmitgliedern INFOE gehört, zusammen mit der  Coordinadora Andina de Organizaciones Indígenas (CAOI) und dem Asia Indigenous Peoples Pact AIPP,  eine neue Studie über die Rechte indigener Völker und den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte vorgestellt. Die Studie, verfasst von INFOE-Mitarbeiter Johannes Rohr und dem Chilenischen Menschenrechtsanwalt José Aylwin, geht der Frage nach, wie die UN-Leitprinzipien die Rechte indigener Völker betreffen und bietet Fallbeispiele aus der Praxis der indigenen Völker, ihre Rechte im Kontext von Wirtschaftstätigkeit in ihren Gebieten zu verteidigen.

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Vertreter der Schoren, deren Dorf für Kohleförderung zerstört wurde in Deutschland

что здесь будет IMG 7517Wladislaw Tannagaschew, Sprecher der "Bewegung für die Wiedergeburt von Kasas und des Schorischen Volks", dessen Dorf für den Kohlebergbau zerstört wurde, kommt nach Deutschland. Am 26. April wird er zusammen mit dem Umweltaktivisten Konstantin Rubachin in den Räumen der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin bei der Veranstaltung "Rohstoffimport aus Russland - Welche Rolle spielen Umwelt- und Bürgerrechtsstandards?“ sprechen. Um Anmeldung wird gebeten.

 

Kasas war ein Dorf im Gebiet Kemerowo das besser bekannt ist als der Kusbass, das Kusnezker Kohlebecken. Zuletzt war Kasas von allen Seiten von Kohlebergbau umgeben. Diejenigen Bewohner, die sich weigerten, der Kohlefirma ihre Grundstück zu verkaufen, wurden Opfer von Brandstiftung. Die vertriebene Bewohner haben bis heute kein nutzbares Ersatzland und keine angemessene Entschädigung erhalten. Infoe hat die Bewohner von Kasas bei der Erarbeitung und Einreichung eines Berichts an den UN-Antidiskriminierungsauschuss unterstützt.

 

Tagungsbericht "Wird der Wald für den Klimaschutz verheizt?"

Bericht der Tagung vom 12. Juni 2015 im LandesMuseum Bonn zum Thema:

"Wird der Wald für den Klimaschutz verheizt?

Die Ressource Wald im Spannungsfeld unterschiedlicher Interessen und die Vorschläge indigener Völker"

 

Am 12. Juni 2015 fand im LandesMuseum in Bonn die vom Institut für Ökologie Aktions-Ethnologie (INFOE) in Kooperation mit dem Klima-Bündnis der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder (kurz Klima-Bündnis) und der Stadt Bonn organisierte Tagung zum komplexen Thema des Waldschutzes in Zeiten des Klimawandels statt. Die Tagung wurde gefördert von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen sowie mit Mitteln von Misereor und der Europäischen Kommission finanziert.

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