
Weltweit sind etwa eine Milliarde Menschen unmittelbar vom Wald abhängig. In tropischen Regenwäldern leben ungefähr 300 Millionen Menschen, hiervon gehören circa 50 Millionen Menschen zu den indigenen Völkern. Sie zeichnen sich durch eine eng mit dem Wald verbundene Lebensweise aus, die nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht auf den Produkten des Waldes basiert, sondern insbesondere auch im kulturellen, religiösen und spirituellen Bereich den Wald und seine Elemente ganzheitlich einbezieht.
Die nachhaltige Nutzung und der Schutz der Wälder, insbesondere der tropischen Regenwälder, sind zentral für Klimaschutz und Armutsbekämpfung. Die Abholzung von Wäldern, die Umwandlung von artenreichem Primärwald in Plantagen oder Flächen für die Agrarwirtschaft hingegen gehören zu den Ursachen von klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Etwa 17 - 20% der globalen Treibhausgasemissionen entstehen durch die Vernichtung von Wäldern. Dies hat nicht nur besorgniserregende Auswirkungen für das Weltklima und die biologische Vielfalt, sondern es geht damit auch der Lebens- und Wirtschaftsraum vieler indigener Völker und lokaler Gemeinschaften verloren, die hier u.a. Nahrung und Medizinpflanzen finden und deren kulturelle Identität unzertrennlich mit dem Wald verbunden ist.
Andererseits spielen indigene Völker und lokale Gemeinschaften eine entscheidende Rolle für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern, haben sie doch erheblich zur Vielfalt und dem Erhalt heute noch existierender Waldgebiete beigetragen. Die Rolle und Rechte indigener Völker werden deshalb im Rahmen der internationalen Verhandlungen zum Wald- und Klimaschutz prinzipiell anerkannt, was sich u.a. in den relevanten Beschlüssen der Vertragsstaatenkonferenzen der Klimarahmenkonvention widerspiegelt. Im Zuge der Umsetzung dieser Beschlüsse findet derzeit eine deutliche Intensivierung von Vorhaben zum Waldschutz, insbesondere REDD-Plus Vorhaben statt (Vorhaben zur Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern in Entwicklungsländern einschließlich der Erhaltung und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern und der Verbesserung der forstlichen Kohlenstoffvorräte in den Entwicklungsländern). Vereinfacht ausgedrückt ist das Prinzip von REDD+, dass Entwicklungsländer ihre Wälder erhalten, ihre Treibhausgasemissionen reduzieren und dafür von Industrieländern finanziell belohnt oder „kompensiert“ werden.
Indigene Völker und lokale Gemeinschaften sind häufig Betroffene von Maßnahmen zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Wäldern wie der Schaffung von Naturschutzgebieten oder nun verstärkt von REDD+-Pilot-Vorhaben. Erfahrungen bzgl. einer wirksamen Einbeziehung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften und der Berücksichtigung ihrer Rechte in diesen Vorhaben sind bisher jedoch kaum dokumentiert. INFOE sieht deshalb einen großen Bedarf an der Analyse von Wald-Klimaschutzmaßnahmen und der Bereitstellung und Verbreitung von Informationen über die Gewährleistung der Rechte indigener Völker, um Projektverantwortliche, Entscheidungsträger und andere in die Praxis von Waldschutzvorhaben involvierte Akteure zu sensibilisieren. Zu diesem Zweck haben wir mit einem Studienprojekt begonnen, das auf der Überzeugung basiert, dass Schutz und Nutzung von Wäldern nur nachhaltig sein können, wenn die lokale Bevölkerung maßgeblich in alle Stadien von Waldschutzvorhaben einbezogen, ihre Rechte gestärkt und ihre eigenen Waldnutzungskonzepte berücksichtigt werden. Nur dann leisten Vorhaben zum Schutz von Wäldern auch einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Armutsbekämpfung.
Wesentliches Anliegen des Projektes ist es deshalb, darüber zu informieren, wie die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften im Rahmen von Waldklimaschutz-Vorhaben berücksichtigt werden und inwieweit die betroffenen Gemeinschaften in die verschiedenen Stadien der Vorhaben einbezogen werden. Anhand sowohl von positiven als auch negativen Beispielen und Erfahrungen sollen Empfehlungen für partizipative, auf Menschenrechten basierende, nachhaltige und effektive Waldschutzmaßnahmen entworfen werden.
Auf dieser Seite informieren wir Sie über den Verlauf des Studienprojektes, Zwischenergebnisse, Fallbeispiele und andere relevante Entwicklungen im Bereich des internationalen Waldschutzes.
Die Entwürfe der Studien zu Waldklimaschutzvorhaben und den Rechten indigener Völker stehen nun zum Download und zur Kommentierung bereit. Hier finden Sie:
Außerdem ein informatives Poster zum Thema des Projektes, das anschaulich die Verknüpfungen zwischen Klimawandel, Waldschutz, REDD+ und indigenen Völkern zusammenfasst.
Wir freuen uns über Kommentare, Ergänzungen und Korrekturen bis Ende April an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Sabine Schielmann nahm am diesjährigen Treffen der AG Wald des Forum Umwelt und Entwicklung teil, das vom 14. bis 16. Dezember in Hannover stattfand. In ihrer Präsentation zum aktuellen Recherche-Projekt des INFOE hatte Sabine die Gelegenheit, die KollegInnen und VertrerInnen von Waldschutzorganisationen und Umweltverbänden über die wesentlichen Punkte der bisherigen Recherche zu informieren. Insbesondere entwickelten sich im Hinblick auf die Fragen zu einem Menschenrechtsansatz in der Natur-/Waldschutzarbeit sowie um FPIC und der Berücksichtigung der Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften lebhafte und fruchtbare Diskussionen. Rückmeldungen zu den INFOE-Berichten von Seiten der Mitglieder der AG Wald werden zum gegebenen Zeitpunkt mit Interesse erwartet.
| Projektflyer Vorderseite (klicken zum Vergrößern) | Projektflyer Rückseite | Broschüre "Indigene Völker und die Klimaverhandlungen" (pdf) |
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| Mit finanzieller Unterstützung des BMZ | Projekt gefördert durch | ||
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Fotos © Pedro Cona; Christian Erni, IWGIA; Erich Kasten; Anthony Lamunda, FEMAPO; Sabine Schielmann; Kathrin Wessendorf IWGIA. All Rights Reserved.
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