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"Heide-Tour mit einem Indianer"
Von Ariane Fries, 08.08.10

Der Wegewart beim Bündnis Heideterrasse, Roy Mepham hat Wanderer im "Internationalen Jahr der Biodiversität" in die Wahner Heide geführt. Ein Indianer erklärte den Umgang seines Volkes mit der Natur.

TROISDORF - Zwischen den verdorrten Gräsern blitzt es lila. Eine kleine Pflanze mit dem Namen Heidenelke hat sich ihren Weg aus dem sandigen Boden an Gräsern vorbei gebahnt und betet nun mit ihrer Blüte die Sonne an. "Eine Kostbarkeit der Wahner Heide", erklärt Roy Mepham, Wegewart beim Bündnis Heideterrasse, der eine Gruppe Wanderer durch die Wahner Heide führt. "Die Pflanze steht unter Naturschutz, weil ihre Nährböden, Magerwiesen und Sandrasen, immer mehr aus unserer Natur verschwinden." Mepham führt die Wandergruppe anlässlich des diesjährigen "Internationalen Jahres der Biodiversität" durch das Gebiet. Das Bündnis Heideterrasse will damit auf die biologische Vielfalt in der Wahner Heide aufmerksam machen und gleichzeitig auch zeigen, wo der Mensch natürliche Lebensräume gefährdet. Zwischen Siegburg und Köln erstreckt sich das Natur- und Vogelschutzgebiet über rund 5000 Hektar.

"Durch die historische Nutzung ist das Gebiet so entstanden. Der Mensch muss nun auch daran arbeiten, dass es so erhalten bleibt", erläutert Mepham. Dort, wo jetzt die Heidenelke wächst, sind früher Panzer über den Boden gerollt. Gleich nebenan ist eine Tongrube. Ein Siegburger Tiefbauunternehmer hat dort in bis dahin ungekannten Größen von 1968 bis 1982 Ton abgebaut. Wo vorher ein Hügelmoor war, zeugt heute nur noch ein See von dem ehemaligen Feuchtgebiet. Aber das Gewässer wurde von verschiedenen Vogelarten als Lebensraum entdeckt. "Auch die Fehler, die Menschen machen, kann die Natur wieder ausbügeln. Leider ignorieren oftmals Besucher unsere Verbotsschilder, dass der See und auch das Ufergelände nicht betreten werden dürfen", erklärt Mepham.

Menschen der Erde "Ich hab auch schon Erholungssuchende entdeckt, die darin badeten." Ein weiteres Problem sind frei laufende Hunde. Meistens ignorieren Hundebesitzer die Schilder, die darauf aufmerksam machen, dass die Tiere an der Leine zu führen sind. "Wenn die Hunde mit ihrer Nase über den Boden suchen, erschrecken sie auf der Erde nistende Vögel. Danach kommen die Vögel nicht wieder zurück", erzählt Mepham. Solche Unachtsamkeit ist für einen Wanderer der Gruppe nicht vorstellbar. Pedro CoÜna ist ein Mapuche, was so viel bedeutet wie "Menschen der Erde". Die Mapuches sind ein indianisches Volk, das in Chile und Argentinien beheimatet ist. Sie versuchen, klimaneutral und nachhaltig zu leben. "Man kann Sachen entwenden, aber man muss sie mit Respekt behandeln", erklärt CoÜna die Lebensweise seines Stammes. "Dadurch wird verhindert, dass die Natur überstrapaziert wird."

Mapuches gehören zu den indigenen Völkern, und die werden von den Staaten, in denen sie leben, meistens in Reservate gedrängt. Unternehmen benutzen das enteignete Land der Indianer für die Zellstoffproduktion durch Holzplantagen. Dadurch allerdings werden Naturressourcen überanstrengt. Die Traditionen und Riten der Mapuches, so ihr Vertreter, würden in der lokalen Öffentlichkeit als "Teufelszeug" bewertet. Auch rechtlich sei das Volk schlechter gestellt. Ein chilenisches Anti-Terror-Gesetz aus der Pinochet-Diktatur erlaube es, Mapuches als Terroristen einzuordnen. Danach dürften Angeklagte bis zu zwei Jahre in Untersuchungshaft behalten werden und den Strafverteidigern der Zugang zu den Ermittlungen verwehrt werden. Auch die Muttersprache "Mapudungun" sei vor Gericht nicht zulässig. Mepham fasst zusammen: "Naturschutz ist eigentlich auch Menschenschutz. Die Lebensräume werden für Mensch und Tier weniger." Und Elke Rothkopf, stellvertretende Vorsitzende des Instituts für Ökologie und Aktionsethnologie, fügt hinzu: "Völker, die wichtige Naturen schützen, sind auch zu schützen."

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