Indigene Völker und Wald

Abschlussbericht Projekt ‚Indigene Völker und Wald‘

Das Projekt zur Förderung der Beteiligung und der Rechte indigener Völker in Waldklimaschutzvorhaben ging im Oktober 2015 zu Ende. Die entwicklungspolitische Bildungsarbeit dieses Projekts, mit der im März 2012 begonnen wurde, umfasste zwei Phasen, in denen Studien und andere Materialien (siehe unten) erarbeitet und insgesamt 15 Veranstaltungen - von Arbeitstreffen, über Workshops und Fachgespräche bis hin zu zwei-tägigen Fachtagungen - durchgeführt wurden.

Im Rahmen der diversen Veranstaltungen im Laufe der dreijährigen Projektlaufzeit konnten mehr als 280 Vertreter*innen der Zielgruppen über die Anliegen und Rechte indigener Völker im Waldklimaschutz informiert werden. Sowohl Vertreter*innen umwelt- und entwicklungspolitischer NROs, als auch Mitarbeiter*innen der Ministerien, Abgeordnete und interessierte Bürger*innen wurden für die Verknüpfungen zwischen dem Engagement deutscher Akteure im Bereich des Wald- und Klimaschutz und den Lebensbedingungen, den Rechten und den natürlichen Lebensgrundlagen indigener und lokaler Waldbewohner sensibilisiert.

Seit Beginn des Projekts in 2012 hatte das Interesse unter deutschen sowie internationalen Akteuren an der Frage der Menschenrechte, insbesondere im Zusammenhang mit REDD-Vorhaben, kontinuierlich zugenommen. Diese Dynamik und Entwicklungen bewirkten einen regen Austausch und verstärkte Vernetzung zwischen den Teilnehmer*innen der gegründeten Arbeitsgruppe und weiteren Interessierten sowie den Teilnehmer*innen der Veranstaltungen zum übergeordneten Thema „Menschenrechtsfragen im internationalen Waldschutz“. Dies wirkte sich förderlich auf die Erreichung der Projektziele aus, deren übergeordnetes Ziel die wirksame Anerkennung und Einbeziehung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften, ihrer spezifischen Rolle, Rechte und Interessen in die Tätigkeit von Akteuren in Deutschland, die im Bereich Waldklimaschutz tätig sind, war.

Mittels der durchgeführten Veranstaltungen wurden Vertreter*innen der Zielgruppen diverse Plattformen geboten, um sich auszutauschen und ihre Arbeit im Hinblick auf die Zusammenarbeit bzw. Berührungspunkte mit indigenen und lokalen Waldbewohnern zu verbessern. Hierzu haben wesentlich auch die indigenen Vertreterinnen, die an einigen Veranstaltungen teilnahmen, beigetragen. Insgesamt haben mehr als 280 Vertreter*innen der Zielgruppen im Rahmen der stattgefundenen Veranstaltungen Informationen erhalten, diese mit indigenen und anderen ExpertInnen diskutieren und bearbeiten können und wurden so für die Rechte und Anliegen indigener und lokaler Waldbewohner sensibilisiert. Dass diese Informationen und Sensibilisierung zu einer vermehrten Berücksichtigung der Zusammenhänge in ihrer weiteren Arbeit führen, haben insbesondere Mitarbeiter*innen des BMZ, Bundestagsabgeordnete sowie einzelne StudentInnen und NRO-VertreterInnen in persönlichen Rückmeldungen nach den Tagungen im Oktober 2012 und Juni 2015, dem Fachgespräch im Oktober 2014, dem Workshop im März 2015 sowie in bilateralen Gesprächen im Zusammenhang mit der Erarbeitung der Fallstudien bestätigt.

In dieser Hinsicht, ist das Projekt als erfolgreich zu bewerten. Nichtsdestotrotz ist es weiterhin notwendig die Rechte der indigenen und lokalen Waldbewohner*innen und den Erhalt des Waldes als ihre Lebensgrundlage weiter zu stärken, um den nach wie vor existierenden Bedrohungen, teilweise sogar zunehmenden Tendenzen und Entwicklungen in Form von (illegaler sowie legaler) Abholzung, Umwandlung von Wald in Agrarflächen für die industrielle Landwirtschaft, Aufforstungen mit Monokulturen, REDD+ und anderen Offsetprogrammen entgegenwirken zu können. INFOE engagiert sich deshalb weiterhin in diesem Bereich und koordiniert seine Aktivitäten mit deutschen, indigenen und internationalen Partnern. Dadurch soll auch ein Beitrag zu einer menschenrechtsbasierten Umsetzung der globalen Nachhaltigkeitsziele geleistet werden (siehe entsprechendes Projekt).

Projekt und Recherche

Indigene und Wald

► Projektstudien  ► News  ► Weitere Informationen  ►AG "Waldschutz und Indigene"  ► Kontakt


► Anliegen & Ziele

Weltweit sind etwa eine Milliarde Menschen unmittelbar vom Wald abhängig. In tropischen Regenwäldern leben ungefähr 300 Millionen Menschen, hiervon gehören circa 50 Millionen Menschen zu den indigenen Völkern. Sie zeichnen sich durch eine eng mit dem Wald verbundene Lebensweise aus, die nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht auf den Produkten des Waldes basiert, sondern insbesondere auch im kulturellen, religiösen und spirituellen Bereich den Wald und seine Elemente ganzheitlich einbezieht.

Die nachhaltige Nutzung und der Schutz der Wälder, insbesondere der tropischen Regenwälder, sind zentral für Klimaschutz und Armutsbekämpfung. Die Abholzung von Wäldern, die Umwandlung von artenreichem Primärwald in Plantagen oder Flächen für die Agrarwirtschaft hingegen gehören zu den Ursachen von klimaschädlichen Treibhausgasemissionen. Etwa 17 - 20% der globalen Treibhausgasemissionen entstehen durch die Vernichtung von Wäldern. Dies hat nicht nur besorgniserregende Auswirkungen für das Weltklima und die biologische Vielfalt, sondern es geht damit auch der Lebens- und Wirtschaftsraum vieler indigener Völker und lokaler Gemeinschaften verloren, die hier u.a. Nahrung und Medizinpflanzen finden und deren kulturelle Identität unzertrennlich mit dem Wald verbunden ist.

Andererseits spielen indigene Völker und lokale Gemeinschaften eine entscheidende Rolle für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Wäldern, haben sie doch erheblich zur Vielfalt und dem Erhalt heute noch existierender Waldgebiete beigetragen. Die Rolle und Rechte indigener Völker werden deshalb im Rahmen der internationalen Verhandlungen zum Wald- und Klimaschutz prinzipiell anerkannt, was sich u.a. in den relevanten Beschlüssen der Vertragsstaatenkonferenzen der Klimarahmenkonvention widerspiegelt. Im Zuge der Umsetzung dieser Beschlüsse findet derzeit eine deutliche Intensivierung von Vorhaben zum Waldschutz, insbesondere REDD-Plus Vorhaben statt (Vorhaben zur Reduzierung von Emissionen aus Entwaldung und Schädigung von Wäldern in Entwicklungsländern einschließlich der Erhaltung und nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern und der Verbesserung der forstlichen Kohlenstoffvorräte in den Entwicklungsländern). Vereinfacht ausgedrückt ist das Prinzip von REDD+, dass Entwicklungsländer ihre Wälder erhalten, ihre Treibhausgasemissionen reduzieren und dafür von Industrieländern finanziell belohnt oder „kompensiert“ werden.

Indigene Völker und lokale Gemeinschaften sind häufig Betroffene von Maßnahmen zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Wäldern wie der Schaffung von Naturschutzgebieten oder nun verstärkt von REDD+-Pilot-Vorhaben. Erfahrungen bzgl. einer wirksamen Einbeziehung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften und der Berücksichtigung ihrer Rechte in diesen Vorhaben sind bisher jedoch kaum dokumentiert. INFOE sieht deshalb einen großen Bedarf an der Analyse von Wald-Klimaschutzmaßnahmen und der Bereitstellung und Verbreitung von Informationen über die Gewährleistung der Rechte indigener Völker, um Projektverantwortliche, Entscheidungsträger und andere in die Praxis von Waldschutzvorhaben involvierte Akteure zu sensibilisieren. Zu diesem Zweck haben wir mit einem Studienprojekt begonnen, das auf der Überzeugung basiert, dass Schutz und Nutzung von Wäldern nur nachhaltig sein können, wenn die lokale Bevölkerung maßgeblich in alle Stadien von Waldschutzvorhaben einbezogen, ihre Rechte gestärkt und ihre eigenen Waldnutzungskonzepte berücksichtigt werden. Nur dann leisten Vorhaben zum Schutz von Wäldern auch einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Armutsbekämpfung.

Wesentliches Anliegen des Projektes ist es deshalb, darüber zu informieren, wie die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften im Rahmen von Waldklimaschutz-Vorhaben berücksichtigt werden und inwieweit die betroffenen Gemeinschaften in die verschiedenen Stadien der Vorhaben einbezogen werden. Anhand sowohl von positiven als auch negativen Beispielen und Erfahrungen sollen Empfehlungen für partizipative, auf Menschenrechten basierende, nachhaltige und effektive Waldschutzmaßnahmen entworfen werden.

Auf dieser Seite informieren wir Sie über den Verlauf des Studienprojektes, Zwischenergebnisse, Fallbeispiele und andere relevante Entwicklungen im Bereich des internationalen Waldschutzes.


► Projektstudien

Nach fast zwei Jahren der Recherche wurde nun die Studie zur Beteiligung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften und der Berücksichtigung ihrer Rechte in Waldklimaschutzvorhaben veröffentlicht.

Deutsche Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen sowie privatwirtschaftliche Unternehmen gehören zu den größten Förderern im internationalen Waldklimaschutz. Gleichzeitig hat sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit seit 2011 explizit einem Menschenrechtsansatz  verschrieben, der auch für Akteure außerhalb der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit Orientierung bieten soll. Dieser Menschenrechtsansatz beinhaltet die ausdrückliche Respektierung der Rechte indigener Völker und ihre Einbeziehung in alle Vorhaben, die sie, ihre Gebiete und Lebensweisen betreffen. Nimmt man diese richtungsweisenden Aspekte zusammen, so lässt sich daraus eine besondere Verantwortung deutscher Institutionen für eine wirksame Beteiligung und Anerkennung der Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften im Rahmen von Waldklimaschutzvorhaben ableiten. Anhand der Betrachtung von politischen und rechtlichen Grundvoraussetzungen, von Projektberichten und Programmbeschreibungen und der Zusammenstellung von Erfahrungen aus der Praxis in Bezug auf sechs Prinzipien eines menschenrechtsorientierten, nachhaltigen und effektiven Waldklimaschutzes, wird dargestellt, inwieweit dieser Verantwortung bereits Rechnung getragen wird und wo die Schwierigkeiten und Herausforderungen hierbei liegen.

Diese Studie wurde in einem Zeitraum von 20 Monaten im Wesentlichen als Desk-Top Studie von Deutschland aus erarbeitet. Ergänzt wurden die Informationen aus dem Internet durch persönliche Gespräche und Telefoninterviews mit Vertretern der Durchführungsorganisationen, Projektverantwortlichen und anderen indigenen oder Nichtregierungsorganisationen, die in den jeweiligen Projektgebieten tätig sind. Im Rahmen der Recherche wurden acht (8) der insgesamt 55 betrachteten Projekte für detailliertere Fallstudien ausgewählt. Hierbei wurden für drei Fallstudien auch lokale Recherchen und Befragungen von Gemeinschaften, die an den jeweiligen Projekten beteiligt sind, durchgeführt.

Die Studie, die Projektliste und die Fallstudien stehen zum Download zur Verfügung.

 ♦ Studie zur Beteiligung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften und der Berücksichtigung ihrer Rechte in Waldklimaschutzvorhaben

 

Fallstudien:

Indigenous Participation and Rights in the REDD/CCAD/GIZ Program in Central America

Beteiligung und Rechte lokaler und indigener Gemeinschaften in Aufforstungsmaßnahmen der KfW-Entwicklungsbank in Vietnam

Legislation not necessarily a Guarantee to the Exercise of FPIC in the Philippines

Free, Prior and Informed Consent in REDD: Complying with Prerequisites in Laos

Impacts of German private sector involvement for Indigenous Peoples and Local Communities in the Maï-Ndombe REDD+ Project in the Democratic Republic of Congo

Consentimiento Libre, Previo e Informado en el Proceso Nacional de Preparación para REDD+ en Honduras

• Herausforderungen in der Umsetzung des SocioBosque Programms in Ecuador

• Deforestation, REDD and Takamanda National Park in Cameroon – a Case Study

Die Liste der Projekte, die im Rahmen der Recherche betrachtet werden, kann weiterhin unter dem folgenden Link eingesehen und kommentiert werden.

Projektliste in separater Exceldatei

Poster zum Thema des Projektes, das anschaulich die Verknüpfungen zwischen Klimawandel, Waldschutz, REDD+ und indigenen Völkern zusammenfasst.

Poster Indigene und Wald


► News aus dem Projekt

♦ Das 4. Entwicklungspolitische Werkstattgespräch: "Indigene Landbausysteme: Gefahr oder Chance für den Klimaschutz?" fand am Donnerstag, 28. Mai 2015 im Afrikahaus in Berlin statt.

Die etwa 30 Teilnehmer/innen setzten sich aus Studierende der HU, Alumni und Dozenten des SLE, EZ Berater/innen, NGO Vertreter/innen und Mitarbeiter/innen von MdBs zusammen. Das entwicklungspolitische Werkstattgespräch wurde in Kooperation mit dem Verein der Freunde und Förderer des Seminars für Ländliche Entwicklung durchgeführt. Dank der Mittel von Misereor konnte ein Vertreter der Karen aus Thailand, Dr. Prasert Trakansuphakon aus erster Hand über die Erfahrungen und Herausforderungen mit dem Wanderfeldbau berichten. Das Podium war mit den weiteren Gästen Dr. Silke Stöber vom Seminar für Ländliche Entwicklung der Humboldt-Universität, Berlin  und Wolfgang Kuhlmann von ARA aus Bielefeld kompetent besetzt. Dr. Sabine Speiser moderierte das Gespräch schwungvoll und einfühlsam.

Alle Referent/innen machten ihre Ablehnung der Stigmatisierung und Kriminalisierung des Wanderfeldbaus deutlich und stellten diese traditionelle Anbau- und Landnutzungsmethode, die sich im tropischen Gürtel Afrikas, Lateinamerikas und Asiens findet, in ihrer Angepasstheit und ihren positiven ökologischen Auswirkungen vor. Stigmatisierung und Kriminalisierung des Wanderfeldbaus sind durch die Klimadebatte und den vermeintlichen Schaden durch Brandrodung zugespitzt. 

Die Präsentationen zeigten, dass Wanderfeldbau eine hervorragend angepasste, indigene und fragile Form des Anbaus ist, die solange funktioniert, wie ausreichend gesicherter Zugang zu Land vorhanden ist, um die langen (7 – 10 Jahre) Brachen zu erlauben, solange wie die Bauern und Bäuerinnen vorrangig in Subsistenz leben und produzieren und die Gemeinden noch intakt sind. Nur mit den langen Brachezeiten kann davon ausgegangen werden und ist auch belegt, dass sich der Wald wieder herstellt, dass Biodiversität sich erneuert und dabei erheblich mehr CO2 gebunden als durch die Brandrohdung selbst freigesetzt wird.

Die Diskussionen bestätigten das fragile Bild des Wanderfeldbaus und machten deutlich, dass es angesichts von Klimawandel, politischen Bedingungen, demographischen Entwicklungen und Bedrohungen durch illegalen Holzeinschlag, Agrobusiness u. a. notwendig ist, den Wanderfeldbau weiter zu entwickeln und anzupassen. Bestrebungen zur Entwicklung und Anpassung müssen von den praktizierenden Gemeinden ausgehen, die in ihren selbstbestimmten Entscheidungen gestärkt und unterstützt werden sollten. Dies können wir mit unseren Expertisen und unserem Engagement fördern und an den entsprechenden Rahmenbedingungen arbeiten. In diesem Sinne formulierten die Podiumsteilnehmer abschließend zentrale Forderungen, um eine Zukunft des Wanderfeldbaus zu unterstützen:

  • Das System des Wanderfeldbaus als Ökosystem anerkennen
  • Landrechte und Zugang zu ausreichend Land für indigene und lokale Gemeinden verlässlich regeln
  • Die positiven Beiträge des Wanderfeldbaus international zur Kenntnis nehmen

Einen etwas ausführlicheren englischsprachigen Bericht finden Sie hier.

 

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♦ Engagierte mit unterschiedlichster Perspektive diskutieren fundamentale Konzepte der Zusammenarbeit mit indigenen Völkern in einem kompakten Workshop:

Kurzbericht des Workshops zum Thema „Menschenrechtsansatz“, „Partizipation“ und „FPIC“ in der Zusammenarbeit mit indigenen Völkern im Waldklimaschutzbereich

Der zeitlich straff strukturierte Workshop zu solch fundamentalen Konzepten wie dem „Menschenrechtsansatz“, „Partizipation“ und „FPIC“ (free, prior and informed consent – freie, vorherige und informierte Zustimmung) in der Zusammenarbeit mit indigenen Völkern im Waldklimaschutzbereich fand am 5. März in Bonn statt. Die diverse Zusammensetzung der Teilnehmenden erwies sich als Bereicherung für die Diskussion, die damit institutionsübergreifend stattfand und in der vergleichsweise viele Perspektiven vertreten waren. Die unterschiedlichsten Akteure aus Bonn und der näheren Umgebung kamen zusammen, um unter anderem die Ergebnisse der Studie des INFOE zu Waldklimaschutzvorhaben und den Rechten indigener Völker zu diskutieren.

Joji Carino, Ibaloi-Igorot-Vertreterin von den Philippinen und Direktorin der englischen NGO Forest Peoples Programme, mit ihren langjährigen Erfahrungen und ihrem umfangreichen Wissen auf den unterschiedlichsten Ebenen ist es zu verdanken, dass viele der Teilnehmenden Antworten auf ihre Fragen erhalten konnten und das Verständnis von einem Menschenrechtsansatz und den Rechten indigener Völker vermehrt wurde. Entscheidend hierfür waren auch die Inputs aus der praktischen Zusammenarbeit. Hier stieß insbesondere die Arbeit mit Dronen in Kalimantan zum gemeinschaftlichen Kartographieren und der Demarkierung der Territorien indigener Gemeinschaften auf großes Interesse.

INFOE konnte mit diesem Workshop einen Impuls geben für den weiteren Austausch zu den wichtigen Fragen und plant einen Folge-Workshop im Sommer.

Weitere Infos können bei Sabine Schielmann unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! angefragt werden.

 

♦ Vorstellung der INFOE-Studie beim Side Event zur zentralen Bedeutung von Landrechten  im Rahmen von REDD+ während der UNFCCC SBSTA Sitzung in Bonn

Am 11. Juni fand im Rahmen  der 40. Sitzung des SBSTA (Subsidiary Body for Scientific and Technical Advice) der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) das von der International Work Group for Indigenous Affairs (IWGIA), Asia Indigenous Peoples Pact (AIPP) , CARE Denmark, Forests of the World und IBIS ko-organisierte Side Event zu „Land Rights as a crucial NCB in Redd+“ statt. Die Rolle der „non-carbon-benefits“ (NCBs) bei REDD+ stellte einen wichtigen Punkt für indigene Völker auf der SBSTA Agenda dar, geht es dabei doch um zentrale Anliegen indigener Völker wie die Anerkennung ihrer Landrechte und ihrer traditionellen nachhaltigen Nutzungspraktiken, den Erhalt der biologischen Vielfalt der Wälder, eine gerechte und partizipative Regierungsführung im Forstsektor sowie ihre volle Einbindung in alle Stadien und Prozesse der Ausgestaltung von REDD+ und der Verwaltung der Wälder und ihrer Ressourcen. (Siehe die Briefing Note von IWGIA und anderen unter http://www.iwgia.org/publications/search-pubs?publication_id=681)

Die Bedeutung der ‚non-carbon-benefits‘ für die Nachhaltigkeit von REDD+ Projekten wurde von den Vertragsstaaten anerkannt und wird vielfach bekräftigt. Jedoch stellen sie für die meisten Staaten und Projektentwickler (noch) keine Priorität dar, sondern eher einen möglichen zusätzlichen Effekt oder Gewinn von REDD+ Projekten. Hier lassen sich Parallelen erkennen zu den Ergebnissen aus der Betrachtung von REDD+ und ähnlichen Projekten im Rahmen der INFOE Studie zu „Waldschutzvorhaben im Rahmen der Klimapolitik und die Rechte indigener Völker“: Während die Bedeutung von Partizipation und den Rechten der Waldbewohner grundsätzlich anerkannt und bekräftigt wird, fehlen den meisten Projekten ein nachvollziehbarer und genuiner Menschenrechtsatz, Partizipation schon bei Projektkonzeption und angemessene Prozesse zur Gewährleistung der freien, vorherigen und informierten Zustimmung (FPIC) indigener Völker.

Aus gegebenem Anlass wurde die Gelegenheit genutzt, beim Side Event am 11. Juni das anwesende deutsche und internationale Publikum kurz über die Studie, die Fallstudien und Ergebnisse zu informieren. Hierzu wurde auch eine englische Zusammenfassung der Ergebnisse verteilt: Summary Study Results (PDF)

Sabine Schielmann von INFOE wurde nach dem Side Event u. a. von Rechts- und PolitikwissenschaftlerInnen, indigenen VertreterInnen angesprochen und nach weiteren Informationen zur Studie befragt.

Foto ©Kathrin Wessendorf, IWGIA

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♦ Am 14. November 2012 fand in Frankfurt ein von e5 organisiertes Dialog-Treffen zwischen Vertretern der Forest Carbon Group und NRO-VertreterInnen statt. Teilnehmende VertreterInnen der AG „Waldschutz und Indigene“ nutzten die Gelegenheit zu einem kurzen informellen Treffen im Vorfeld des Dialogs, um aktuelle Informationen auszutauschen und sich auf das Treffen mit der Forest Carbon Group vorzubereiten. Die Teilnahme am Dialog-Treffen war für alle Beteiligten sehr informativ und lehrreich. Es wurde deutlich, wie dringend notwendig  weitere Aufklärung und Sensibilisierung auf Seiten von Unternehmen im Hinblick auf Menschenrechtsfragen und die angemessene Beteiligung der lokalen Bevölkerung im Rahmen von Waldschutzprojekten besteht. Andererseits war es für die beteiligten NRO-VertreterInnen wichtig zu hören, welche Prioritäten Unternehmen in Bezug auf REDD+ setzen und mit welcher Konzeption sie an solche Projekte herangehen.
 
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♦ Sabine Schielmann nahm am diesjährigen Treffen der AG Wald des Forum Umwelt und Entwicklung teil, das vom 14. bis 16. Dezember in Hannover stattfand.  In ihrer Präsentation zum aktuellen Recherche-Projekt des INFOE hatte Sabine die Gelegenheit, die KollegInnen und VertrerInnen von Waldschutzorganisationen und Umweltverbänden über die wesentlichen Punkte der bisherigen Recherche zu informieren. Insbesondere entwickelten sich im Hinblick auf die Fragen zu einem Menschenrechtsansatz in der Natur-/Waldschutzarbeit sowie  um FPIC und der Berücksichtigung der Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften lebhafte und fruchtbare Diskussionen.  Rückmeldungen zu den INFOE-Berichten von Seiten der Mitglieder der AG Wald werden zum gegebenen Zeitpunkt mit Interesse erwartet.

 


► Weitere Informationen zum Thema und Links zu einigen Organisationen, die sich mit dem Thema REDD+/Waldschutz und indigene Völker beschäftigen:

 


► Arbeitsgruppe "Waldschutz und Indigene"

Im Rahmen seines Informations- und Bildungsprojekts zum Thema „Waldschutz im Rahmen der Klimapolitik und die Rechte indigener Völker“ hat INFOE es sich neben der Erstellung von Informationsstudien zur Aufgabe gemacht, eine Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen, um die im Themenbereich tätigen Akteure in Deutschland miteinander ins Gespräch zu bringen.

Die Arbeitsgruppe ist ein offenes Forum für den Informationsaustausch und die Diskussion von Ansätzen, Standards, Schwerpunkten und Fragen im Hinblick auf einen Menschenrechtsansatz im internationalen Waldschutz.  Wesentliches Anliegen dabei ist die gegenseitige Unterstützung der Arbeit der KollegInnen in der AG sowie die Erörterung von Möglichkeiten der Förderung und Umsetzung der Rechte und Beteiligung von indigenen und lokalen Gemeinschaften im Rahmen von Wald-Klimaschutzprojekten.

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► Kontakt

Bei speziellen Fragen wenden Sie sich bitte an Sabine Schielmann:
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 

Weitere Informationen
 
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Projektflyer Vorderseite Projektflyer Rückseite

 Broschüre "Indigene Völker und die Klimaverhandlungen" (pdf)

 


 

Erstellung der Projektseite

Mit finanzieller Unterstützung des BMZ
BMZZukunftsentwickler

und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW

Stiftung Umwelt und Entwicklung

Projekt gefördert durch
Misereor
 

 

Gefördert aus Mitteln des Kirchlichen Entwicklungsdienstes durch Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst

 


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