Zweites Treffen der Arbeitsgruppe “Waldschutz und Indigene”

Das zweite Treffen der Arbeitsgruppe “Waldschutz und Indigene” fand am 10. Juli 2012 in den Räumlichkeiten von OroVerde in Bonn statt.  Teilgenommen haben insgesamt 15 VertreterInnen der folgenden Organisationen: Brot für die Welt/EED, Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde,  INFOE, Klima-Bündnis, Misereor , NABU, OroVerde , urgewald, Welthungerhilfe sowie internationale Gäste von  Defensores de la Naturaleza aus Guatemala.

 

Javier Marquéz von der Stiftung „Defensores de la Naturaleza“  aus Guatemala stellte das Projekt „Lacandón – Forests for Life“, das in Zusammenarbeit mit OroVerde realisiert wird, vor. Das zentrale Anliegen des Projekts ist der Schutz und die Förderung von nachhaltiger Nutzung natürlicher Reichtümer und regionaler Biodiversität im Nationalpark „Sierra del Lacandón“. Zusammen mit der lokalen Bevölkerung arbeitet  das Projekt daran, Entwaldung und illegale Abholzung durch Aufforstungsprogramme und alternative Einkommensquellen auf lokaler Ebene zu bekämpfen.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie bei OroVerde unter dem folgenden Link:

http://www.bosques-lacandon.org/de/

 

Die Präsentation von Daniela Tunger, NABU, widmete sich dem Projekt „Erhalt der Wildkaffeewälder  in der Kafa-Region“. Das Biosphären-Reservat Kafa im Südwesten Äthiopiens ist von etwa 50% Regenwald bedeckt und Ursprung des Arabica Kaffees. Bevölkerungszuwachs und kleinbäuerliche Nutzung von Kaffeeplantagen sind Hauptfaktoren für die zunehmende Entwaldung des Gebiets. Ziel des Projekts ist die Schaffung von Gebieten zur Wiederaufforstung und von Gemeinschafts-Plantagen, sowie Bildungsarbeit im Bereich Forst- und Energiemanagement, Ökotourismus, Fundraising und die Unterstützung nachhaltiger Lebensgrundlagen.

 

Sabine Schielmann von INFOE gab einen kurzen Überblick über das Informations- und Rechercheprojekt des INFOE, dessen Schwerpunkte und Ziele. Zur Zeit befindet sich das Projekt in der Phase der Informations- und Datensammlung zu Projekten im Bereich Waldschutz und REDD+, die indigene Gemeinschaften betreffen um einen Überblick über das Engagement deutscher Organisationen und Förderer in diesem Bereich zu geben. Eine erste Liste von etwa 35 Projekten wird über die Liste der AG TeilnehmerInnen  für deren Kommentare und Ergänzungen geschickt. Als ein vorläufiges Ergebnis kann gesagt werden, dass Menschenrechtsfragen und auch das BMZ Konzept zu Menschenrechten in der EZ bei den durchführenden bzw. fördernden Institutionen im internationalen Waldschutz durchaus angekommen sind. Die Herausforderung besteht nun in der Umsetzung der entsprechenden Prinzipien.

 

Volker von Bremen, Gutachter für Brot für die Welt und Misereor, präsentierte die Ergebnisse der Studie „Waldschutz für das Klima durch REDD + und Co. – Mehr als eine Herausforderung für indigene Gemeinschaften in Lateinamerika: Eine Grundlage für den Partnerdialog“, die unter indigenen Gemeinschaften in Brasilien und Paraguay in Zusammenarbeit mit lokalen und internationalen Organisationen durchgeführt wurde.

 

Ein Anliegen der Studie ist die Evaluation von REDD+ im Hinblick auf das kulturelle Verhältnis indigener Völker zum Wald und die Konsequenzen für deren Identität und Lebensweise. Ein Fokus liegt dabei auf den unterschiedlichen Lebensformen betroffener indigener Gemeinschaften und der damit verbundenen Weltsicht und Beziehung zum Wald. Daraus lassen sich strukturelle Elemente ableiten, die für die Zusammenarbeit mit den betreffenden Gemeinschaften im Hinblick auf REDD+ bzw. Waldschutz grundsätzlich, bedeutend sind und entsprechend beachtet werden müssen. Der REDD+ Mechanismus, wie er derzeit noch weitgehend diskutiert wird und mancherorts bereits - von mitunter profitorientierten privaten Unternehmen zu ihrem eigenen Vorteil - umgesetzt wird, vermag mit seinem Ansatz und seiner Logik die wesentlichen Elemente der indigenen Kultur, Lebensweise, Weltsicht und Realität nicht zu erfassen und somit auch nicht angemessen zu berücksichtigen oder gar positive Vorteile in dieser Hinsicht zu schaffen. Daher müssen die Möglichkeiten und Risiken eines REDD-Mechanismus für indigene Gemeinschaften noch weiter gemeinsam mit indigenen Organisationen erörtert werden.

 

Anschließend stellte Korinna Horta die Forest Carbon Partnership Facility (FCPF) vor, ein bei der Weltbank angesiedelter Mechanismus, der einen finanziellen Rahmen für den REDD+-Mechanismus schaffen soll, um bis 2020 Emissionen um 50% zu reduzieren. Die FCPF spielt eine Vorreiterrolle, jedoch gibt es einige kritische Aspekte, die weiterer Klärung und Ausarbeitung bedürfen. So ist u.a. das Recht indigener und lokaler Gemeinschaften auf ihre freie, vorherige und informierte Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent, FPIC) noch nicht in der FCPF aufgenommen. Dort spricht man statt von „Zustimmung“ von „Konsultation“. Aufgrund der Tatsache, dass Deutschland der größte Geldgeber der FCPF ist und eine recht progressive Menschenrechtspolitik im EZ Bereich hat, ist die Frage, wie stark sich Deutschland  für die Durchsetzung von FPIC in der FCPF stark machen wird.

Abschließend wurde noch das Interesse der Forest Carbon Group den Dialog mit NRO auszubauen, angesprochen.

 

Die vorgestellten Präsentationen finden Sie hier:

2. AG Waldschutz und Indigene Völker

Korinna Horta - "Forest Carbon Partnership Facility"

► Javier Marquéz - "Lacandón - Forests for Life" (folgt)

Daniela Tunger - "Erhalt der Wildkaffeewälder  in der Kafa-Region"

 

Die Misereor/BfdW/EED-Publikation Waldschutz für das Klima durch REDD + und Co. erscheint in Kürze und den entsprechenden Link geben wir dann bekannt.

Ein ausführliches Protokoll der AG Sitzung kann bei Sabine Schielmann unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! angefragt werden.

Die nächste Sitzung der AG ist für Freitag den 12.10.2012 ab 13:30Uhr in der Ev. Akademie Villigst in Schwerte vorgesehen.