Bericht der spannenden 3. Sitzung der AG „Waldschutz und Indigene“

Das dritte Treffen der AG „Waldschutz und Indigene“ fand am 12. Oktober 2012 in der Evangelischen Akademie Villigst in Schwerte statt. Insbesondere Dank der Teilnahme internationaler Gäste gab es auch an dieser AG Sitzung wieder interessante Beiträge zu hören und spannende Fragen rund um das Thema „Waldschutzmaßnahmen und die Rechte indigener Völker“ zu diskutieren. 

Teilnehmer der 3. Sitzung

Für die am Abend des 12. Oktober beginnenden und vom INFOE in Zusammenarbeit mit der Akademie organisierten Tagung zu „Menschenrechtsfragen im internationalen Waldschutz“  waren bereits einige internationale Gäste angereist, die die Gelegenheit zum informellen Vorabaustausch im Rahmen der AG begrüßten. Zu ihnen zählten unter anderem Arlen Ribeira, von der indigenen Organisation FECONAFROPU aus Peru.

Auf der Tagesordnung der AG-Sitzung standen die Punkte:

  • Austausch über aktuelle politische Entwicklungen und Prozesse von Bedeutung für unser Thema, auch im Hinblick auf weitere Diskussionsmöglichkeiten auf der Tagung
     
  • Kurze Vorstellung der ersten Ergebnisse der INFOE Studie und Fallstudien
     
  • Vorbereitung auf die Tagung (Leitfragen für die Arbeitsgruppen, erwartete Ergebnisse etc.)

In Bezug auf den ersten Punkt wurden insbesondere zwei Prozesse angesprochen:

  • Die Kleine Anfrage von Abgeordneten und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Frage der Finanzierung des Waldschutzes durch REDD+ und die Stärkung und Einhaltung von Schutzklauseln vom 04.09.2012 und die Antwort des BMZ darauf.
     
  • Der vom BfN organisierte Workshop zu Social Standards and the International Climate Initiative (ICI) Ende Oktober auf der Insel Vilm.

 

Was die Kleine Anfrage der Grünen betrifft, so werden hier viele Fragen gestellt, die auch wir uns in der AG stellen und die Thema auf der Tagung sein werden. Daher ist für uns die Antwort des BMZ ein wichtiges Arbeitsdokument und wird von einer kleinen Gruppe besonders Interessierter weiterhin verfolgt.  Die Gesamtantwort einschließlich der Fragen kann unter dem entsprechenden Link auf der Projektseite herunter geladen werden.

Die Internationale-Klima-Initiative (IKI) des BMU ist eines der wichtigsten Förderinstrumente der Bundesregierung für REDD+ und verwandte Maßnahmen. Zurzeit befindet sich die IKI in einem Evaluierungsprozess. Zu diesem gehörte ein Workshop zur Diskussion und Erörterung von  Sozialstandards für die IKI, an dem schließlich Sabine Schielmann aus dem Kreis der AG teilnahm. Der Workshop stellte sich als ein sehr informativer und fruchtbarer Austausch von Involvierten aus durch die IKI finanzierten Projekten und anderen Experten, darunter zwei indigenen VertreterInnen dar. Die Teilnahme von Sabine war in mehrfacher Hinsicht eine Bereicherung für das Projekt und die AG, denn es konnten viele Kontakte geknüpft sowie einige konkrete Informationen zu praktischen Projekterfahrungen eingeholt werden. (http://www.bmu-klimaschutzinitiative.de/de/aktuelles)

Außerdem wurde kurz ein mögliches weiteres Dialog-Treffen mit der Forest Carbon Group angesprochen. Die Forest Carbon Group ist ein Unternehmen, das nach eigener Aussage „ weltweit Waldprojekte mit hohem sozialem und ökologischem Mehrwert entwickelt, finanziert und vermarktet und Unternehmen bei der Umsetzung ihrer CO2-Strategien unterstützt“ (www.forestcarbongroup.de). Die FCG unterstützt ein REDD+ in der Demokratischen Republik Kongo, das auf Kritik (durch die vor Ort aktive englische NRO Forest Peoples Programme - FPP) im Hinblick auf die fehlende Einbeziehung und Konsultation der indigenen Gemeinschaften gestoßen ist. TeilnehmerInnen der AG hatten im Mai 2012 an einem ersten Dialog-Treffen mit der FCG teilgenommen und teilten ihre Erfahrungen mit. Die Frage einer weiteren Teilnahme an derartigen sogenannten „Stakeholder-Treffen“ wurde erörtert.

Schließlich stellten Mitarbeiterinnen des INFOE kurz die Ergebnisse der bisherigen Recherche vor.  Zum aktuellen Zeitpunkt liegen der Bericht zur ‚Beteiligung indigener Völker und der Berücksichtigung ihrer Rechte in Waldklimaschutzvorhaben, die von deutschen Institutionen finanziert oder durchgeführt werden‘ sowie die Fallstudien zu Vietnam, Ekuador und dem regionalen GIZ-REDD Projekt in Mittelamerika im Entwurf vor. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die über das Internet zugänglichen Informationen zu REDD+ und verwandten Waldschutzprojekten unzureichend Auskunft über Umfang und Art der Beteiligung betroffener indigener und lokaler Gemeinschaften geben und praktisch keine konkreten Informationen zur Umsetzung von FPIC erhältlich sind. Dies bedeutet, dass wenn es eine umfassende Einbeziehung der lokalen Bevölkerung und Berücksichtigung ihrer Rechte in den untersuchten Projekten gibt, diese in den öffentlich zugänglichen Berichten etc. nicht ausreichend und transparent dargestellt werden. Dies bestätigt die Erkenntnisse aus dem Diskussionspapier von Germanwatch vom Juni 2011 zum Thema „Ein Rahmen für effektive Waldklimaschutzvorhaben“.

► Link: http://germanwatch.org/klima/redd11eff.pdf


Für weitere Informationen, Fragen und Kommentare zur AG, den Themen und dem Rechercheprojekt wenden Sie Sich bitte direkt an Sabine Schielmann unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Foto von der Tagung © Bärbel Henneberger