Ich schätze den Entwicklungsstand in Europa, den ich bisher hauptsächlich aus Filmen kannte, sehr und hatte mir so sehr gewünscht, durch eine Reise in diese entwickelten Länder selbst Erfahrungen sammeln zu können. Im Jahr 2025, nachdem ich ein erfolgreiches Abstract beim Institut für Ethnologie der Uni zu Köln eingereicht hatte, unterstützte INFOE – ein Institut, das sich für den Schutz der Rechte, Werte und Praktiken indigener Völker einsetzt – meine Reise, um dieses Abstract vorzustellen. Es handelte sich um eine Dokumentation einer der wertvollsten und geschätzten Praktiken der Ngikarimojong-Hirten im Nordosten Ugandas. Mehr dazu hier.

Damit ging für mich ein Traum in Erfüllung. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig Formate wie meine Reise für die Empfänger*innen von Entwicklungshilfe sind, um Narrative mitzugestalten und die Hilfe in Richtung einer von ihnen angestrebten Zukunft zu lenken. Dies ist besonders wichtig für indigene und marginalisierte Gemeinschaften, da die Unterstützung für sie meist auf Annahmen basiert oder ohne direkte Einbindung in ihre Lebensweisen erfolgt. Es ist entscheidend, ihre eigene Vision für ihre Lebensgrundlagen und die für die Nachhaltigkeit am dringendsten benötigte Unterstützung zu verstehen.

Die Erfahrung

Während der anthropologischen Konferenz war ich die meiste Zeit die einzige Teilnehmerin aus Afrika in den Konferenzräumen. Einige Referent*innen hatten jedoch auch Forschungen oder Erkenntnisse zu Themen aus afrikanischen Kontexten. Das gab mir das Gefühl, dass mehr Menschen aus Afrika hätten teilnehmen sollen. Es war jedoch schön zu sehen, dass die Referent*innen ein Gespür für die Würde der indigenen Gemeinschaften hatten, die sie vertraten oder von denen sie gelernt hatten. Ich fand das lobenswert.

®Daniel Grünewald

Wahner Heide

Die Wahner Heide bei Köln war der einzige Ort von allen, die ich besucht habe, der eine Verbindung zu meiner pastoralen Herkunft herzustellen schien. Ich sah, was man in Deutschland als einheimisches oder lokales Vieh bezeichnet, das unter natürlichen Bedingungen weidet. Ich konnte kaum glauben, dass es sich um einheimische Tiere handelte, da unser Vieh in Uganda unter sehr rauen klimatischen Bedingungen weidet und vor allem während der Trockenzeit kleiner ist. Deswegen fragte ich mich, warum die Tiere in Deutschland so groß sind. Mir wurde gesagt, dass diese einheimischen Tiere auch viele Liter Milch produzierten. Daraufhin fragte ich mich wirklich, ob sie noch einheimisch waren.

In der Wahner Heide betrat ich endlich nackten Boden, der weder gepflastert noch anderweitig bearbeitet war, sondern einfach eine natürliche Umgebung, die gut genug für das menschliche Leben ist. Mir wurde gesagt, dass es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Ich hoffe sehr, dass Deutschland weiterhin solche organischen Räume schafft; sie sind gut für das menschliche Leben.

Teilnahme am Festival „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Im Rahmen von meiner Reise habe ich an dem Festival „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ teilgenommen. Mehr hier 

In Karamoja sind unsere Werte und Praktiken sehr stark und werden bewusst gepflegt. Aus diesem Grund gibt es nach wie vor Plattformen zur Förderung und Stärkung dieser Werte. Natürlich werden sie ständig durch die Präferenz für westliche Kulturen bedroht, die als überlegen, hochwertig und modern angesehen werden. Ich möchte glauben, dass alles, was traditionell verwurzelt ist, den Test der Zeit bestehen wird. Es sollte bewusst gefördert und gestärkt werden. Traditionelles Wissen, Praktiken und Werte können starke Grundlagen für moderne Innovationen sein.

Natürlich habe ich dann, typisch Esther, das Forum zu einem Karamojong-Festlied tanzen lassen. Es war ein Moment der Einheit, ein Moment menschlicher Interaktion, der aufgrund der Technologie und der Übernahme westlicher Lebensweisen nicht nur in europäischen Kulturen, sondern auch in afrikanischen Kulturen langsam verloren geht. Ich denke, bei allem, was wir tun, sollten wir unsere Menschlichkeit nicht verlieren: die Interaktionen, das Teilen, die physischen Begegnungen und lustigen Momente, die tiefgehenden Einzelgespräche oder Gespräche als Gemeinschaften, Familien und Menschen, die wichtig sind. Die sozialen Unterstützungssysteme in den Gemeinschaften sollten bewusst gestärkt werden. Diese Nähe und Interaktion zwischen Menschen kann unseren psychischen Stress verringern, da wir in dieser sehr dynamischen und sich ständig verändernden Welt voneinander lernen und miteinander umgehen.

Im Allerweltshaus, Köln

Es war wunderschön, Menschen zusammenzubringen, über die kulturellen Werte und Bräuche der Ngikarimojong zu diskutieren und vor allem eine Plattform zu haben, um aus der üblichen Einsamkeit herauszukommen und sich gegenseitig Wärme zu schenken. Der Tanz hat uns unsere Menschlichkeit zurückgegeben. Wir alle brauchen, wenn auch nicht täglich, solche Räume, um unsere Menschlichkeit zu teilen. Ich glaube, dass allein dies das Leben verlängert. Indem wir unsere eigenen Erfahrungen als Menschen in verschiedenen Teilen der Welt lernen und teilen, bauen wir eine stärkere Gemeinschaft auf, eine geeinte Gemeinschaft, die widerstandsfähig gegenüber den Erschütterungen dieser sich entwickelnden Welt ist.

Allgemeine Überlegungen

Ich dachte, ich sollte die Kultur, die ich in Deutschland gesehen habe, aber auch direkt aus Amsterdam, nicht übersehen. Die Menschen, die ich traf, waren im Allgemeinen freundlich und hilfsbereit. Ich habe die Herzen der Menschen berührt, und sie haben auch mein Herz berührt. Nach dieser Begegnung kann ich nicht mehr dieselbe sein. Meine Sichtweise hat sich definitiv zum Besseren verändert.

Von Esther Atem

Übersetzung und Bearbeitung Tanja Löbbecke

In einem Video haben weitere Eindrücke der Stationen von Esthers Reise festgehalten.