“Voices from the Rangelands: African Pastoralist Women Rising for Land Rights, Climate Justice, Equity, and Peace“ – so lautete das Thema der African Pastoralist Women Gathering (APWG, Versammlung Afrikanischer Pastoralistinnen/ Wanderhirtinnen), die im Rahmen des Internationalen jahres für Weidelandschaften und Hirtentum 2026 stattfand. Über 200 Frauen und einige Männer aus pastoralistischen und indigenen Gemeinschaften aus sieben afrikanischen Ländern trafen sich vom 15. bis zum 21. März in Kampala, die Hauptstadt Ugandas. Aus Benin, Kamerun, Kenia, Südsudan, Tansania und Uganda kamen die Frauen zusammen, um sich für eine laute Stimme zu vereinen und die Zukunft ihrer Lebensgrundlagen aktiv mitzugestalten.1

Pastoralistinnen tragen essenzielle Aufgaben in ihrem Alltag. Tagtäglich bewirten sie Land, organisieren die Wasserversorgung, kümmern sich um die Tierhaltung, erziehen Kinder und kochen Essen. 2 Zudem sind sie reich an wertvollem Wissen – oft über Generationen hinweg weitergegeben – über nachhaltige Landnutzung, den Umgang mit Klimaveränderungen, der Nahrungssicherung und über Friedensarbeiten. 1, 2 Pastoralistinnen sind zentrale Schlüsselrollen ihrer Gemeinschaften, doch werden ihre Perspektiven kaum bis gar nicht in Entscheidungen beachtet – ob innerhalb ihrer Gemeinschaften, in der nationalen oder transnationalen Politik. Dabei sind ihre Erfahrungen, Fähigkeiten und ihr Wissen entscheidend für den Umgang mit Klimawandel, Lebensraumerhaltung und soziale Ungleichheit.2

„The past, the knowledge and the people who support […] Now we have projects but we don‘t have a passway.  […] Climate change is bringing land drying, men are cutting trees, that‘s a big issue“, beschreibt eine Teilnehmerin in ihrem Vortrag auf dem APWG. 3

Schon in der Eröffnungsrede von Jessica Alupo wurde deutlich, worum es im Kern auf der Versammlung geht: Zusammenarbeit, Gleichberechtigung und das Bewusstsein, dass die Stärkung von Frauen nicht nur ihnen selbst zugutekommt, sondern der gesamten Gesellschaft – Familien, Kindern und auch Männern. Wenn Frauen ihre Rechte verfolgen und echte Gleichstellung erreicht wird, profitieren alle.4 Die Konferenz bot Raum für Austausch, Lernen und gegenseitige Stärkung. Frauen diskutierten darüber, wie sie ihre Lebensgrundlagen sichern, politische Rahmenbedingungen mitgestalten und ihre Rechte einfordern können. Ein Teil davon ist z.B. Landnutzungspläne und Kartierung von Wanderwegen, um Lebensraum und Sicherheit von Frauen zu schützen.1 Die Versammlung folgte einer klaren Vision:

Bessere Produktion → Bessere Ernährung → Bessere Umwelt → Besseres Leben4

Ein zentrales Anliegen liegt darin, staatliche Programme und Richtlinien so zu beeinflussen, dass sie den Realitäten pastoralistischer und indigener Gemeinschaften gerecht werden. Ein Ergebnis des Treffen

®Oscar Okello Kanyangareng

s war die Unterzeichnung der „African Pastoralist Women Charter“ (Vereinbarung Afrikanischer Pastoralistinnen). Dieses Dokument formuliert eine gemeinsame Vision und konkrete Forderungen: sichere Landrechte, Geschlechtergerechtigkeit, nachhaltiges Weidemanagement und die aktive Einbindung von Frauen in politische Entscheidungsprozessen.1

Kritiken sind allerdings auch nicht zu missachten. Teils waren nur an der Hand abzählbare Vertreter*innen aus anderen Ländern als Uganda am APWG beteiligt, was die Vielfalt pastoralistischer Lebensrealitäten nicht repräsentiert und schon gar nicht auf dem ganzen Kontinent Afrika.

I know that discussions from this platform are going to be compiled into a charter that will end up in the Ugandan Parliament! I fear though that for most of our Advocacy efforts, that’s the most. They end up into documents that sometimes also end up in the shelves. But having a frame work to guide matters of Pastoralists in Uganda is a great thing.“5

Außerdem bestehe die Gefahr, dass Diskussionen zwar in politischen Dokumenten festgehalten werden, aber letztendlich die konkrete Umsetzung ausbleibt. Dennoch ist bereits die Existenz solcher Räume und Versammlung wie die der APWG ein wichtiger Schritt.5

Trotzdem, die Herausforderungen bleiben groß: Klimawandel führt zu zunehmender Trockenheit, Ressourcen werden knapper und soziale Spannungen nehmen zu.1,3 Am Ende zeigt das Treffen in Kampala, Pastoralistinnen sind nicht nur Bewahrerinnen von Wissen – sie sind zentrale Aktivistinnen im Kampf für Klimagerechtigkeit, Dekolonialisierung, Geschlechtergerechtigkeit und Frieden. Ihre Stimmen sind nicht nur wichtig, sie sind unverzichtbar. Die Versammlung knüpfte an die ATEKER-Frauenkonferenz im Jahr 2024 an, um die Stimmen von Pastoralistinnen aus ganz Afrika hörbar zu machen.

Esther Atem und Lena Galley

Quellen

1 Horn of Africa Organization for Indigenous People, „African Pastoralist Women Gathering (APWG – IYRP 2026)“, 21. März 2026, https://hoaindigenous.org/african-pastoralist-women-gathering-apwg-iyrp-2026/.

2infoe, „SDG 5: Die Viehhüterinnen der Karamojong“, infoe, 8. März 2022, https://www.infoe.de/blog_post/sdg-5-die-viehhueterinnen-der-karamojong/ ; Horn of Africa Organization for Indigenous People, „African Pastoralist Women Gathering (APWG – IYRP 2026)“.

3 Nachap Kezia Cindy, „Vortrag von Nachap Kezia Cindy auf dem African Pastoralist Women Gathering in Uganda“, Kampala, 15. März 2026.

4 KOK TV, „VP Jessica Alupo Opens African Pastoralist Women Gathering in Uganda“, YouTube, 17. März 2026, https://www.youtube.com/watch?v=KVms_GwSkRU.

5 Esther Atem, ehrenamtlich engagiert bei Karamoja Herders of the Horn und langjährige Partnerin von INFOE“.