Wald

Verteilungskämpfe um genetische Ressourcen

Ureinwohner aus aller Welt diskutierten in Bonn über das Thema Biodiversität Vierzig indigene Experten und Expertinnen zum Thema Biodiversität aus allen Teilen der Welt - von Burkina Faso bis Kenia, von Bangladesh bis zu den Salomon-Inseln, vom Baikal-See bis zum Amazonas-Becken - trafen sich in der zweiten Oktoberwoche 2001 in Bonn zur sechsten Konferenz des Internationalen Indigenen Forums zu Biodiversität (IIFB). Die Tagung, von infoe mit ausgerichtet, diente der Vorbereitung auf die sich anschließende Konferenz der UN-Arbeitsgruppe über „Zugang zu genetischen Ressourcen und gerechte Nutzenaufteilung“ im Rahmen der Konvention über die biologische Vielfalt, die ebenfalls in Bonn stattfand. Ziel und Aufgabe für die Vertreter der 180 Vertragsstaaten war es, Richtlinien für die Zugangsrechte zu genetischen Ressourcen für wissenschaftliche und kommerzielle Nutzung zu erarbeiten und die Fragen der Eigentums- und Verwertungsrechte zu klären und bei diesem Unterfangen die Interessen der indigenen Völker zu berücksichtigen. Das Thema gehört nicht nur zu den komplexesten und rechtlich schwierigsten Sachverhalten, die in der Biodiversitäts-Konvention angesprochen sind, sondern auch gleichzeitig zu den umstrittensten, geht es doch immerhin um einen milliardenschweren Markt. Indigene Völker gelten weltweit als Träger des traditionellen Wissens über die biologische Vielfalt und als deren Hüter. Von der Kenntnis und Verwertung ihres Wissens etwa um Heilpflanzen und Anbaumethoden versprechen sich Wirtschaftsbranchen wie die Pharmaindustrie, Saatgutunternehmen und Gentechnikfirmen Riesengewinne. Botanische, zoologische und mikrobiologische Forschungsunternehmen profitieren ebenfalls von dem traditionellen Wissen der Ureinwohner. Rodrigo de la Cruz, Angehöriger des Kichwa-Volkes und Mitglied des von der Konvention eingesetzten Expertengremiums zu ABS als Vertreter von Ecuador zitiert in einer Vorlage für die Vorbereitungskonferenz ein Beispiel: „Die pharmazeutische Industrie und Bioprospektoren schätzen den Wert traditionellen Wissens aufs Höchste, denn die Ausbeutung, um nicht zu sagen dessen Enteignung reduziert die Forschungsaufwendungen zur Identifizierung neuer Heilpflanzen und deren aktive genetische Komponenten um rund 400 Prozent.“ Das illustriert den Stellenwert des Themas. Auf der Tagung, deren Thema vordergründig sehr technisch klingt, wurden einige der für die Biodiversitäts-Konvention entscheidendsten inhaltlichen Kontroversen ausgetragen. In der Rubrik „Biodiversität“ auf dieser Website veröffentlichen wir verschiedene Erklärungen, darunter die Schlusserklärung des Internationalen Indigenen Forums auf der ABS-Tagung.