Wald

Wachsende Bedeutung des Indigenen Biodiversititätsforums

Vorbereitungskonferenz zur ABS-Tagung von infoe organisiert. In der Woche vor der ABS-Tagung traf sich das Indigene Forum (IIFB) im "Haus am Venusberg" oberhalb von Bonn, um sich zur Vorbereitung in die komplexen rechtlichen Aspekte des Themas einzuarbeiten, gemeinsame Positionen zu entwickeln, diese in Empfehlungen und Stellungnahmen zu fassen und sich auf Vorgehensweisen für die Tagung zu einigen. Mit Beginn der offiziellen ABS-Tagung wurde der Standort des Forums in die Stadt verlagert. Seine Positionen hat das Forum insbesondere an der Kritik der offiziellen Konferenzdokumente herausgearbeitet; seinen Dissens hat es deutlich formuliert und sich in den Unter-Arbeitsgruppen, im Plenum und auf einer eigenen Pressekonferenz vernehmlich zu Wort gemeldet. Es war das sechste Mal, dass sich das Forum traf. Indigene Organisationen haben sehr bald nach dem Umweltgipfel in Rio de Janeiro 1992 begonnen, sich in den Folgeprozess einzuschalten, ihre Forderungen geltend zu machen und sich international zu vernetzen. Im Vorfeld der 3. Vertragsstaatenkonferenz 1996 in Buenos Aires fanden sich Delegierte aus indigenen Organisationen erstmals zu einem Vorbereitungstreffen zusammen, um ihre Aktivitäten zu koordinieren. Als Plattform für ihre Diskussionen riefen sie das Internationale Indigene Forum zu Biodiversität ins Leben. Seitdem tagt das Forum regelmäßig vor den jeweili- gen Staatenkonferenzen und den Tagungen der Arbeitsgruppen. Bei der letzten dieser Konferenzen im Mai 2000 in Nairobi wurde das Forum als Beratungsorgan der Staatenkonferenz anerkannt. Die Zuerkennung eines formalen Status bedeutete einen Durchbruch, was die rechtliche Position innerhalb des Vertragssystems anbelangt, hat aber an der prekären organisatorischen Situation nichts geändert. Das Forum hat, anders als vergleichbare internationale Gremien, keinen Apparat, der ihm zuarbeitet. Die indigenen Organisationen sind auf sich selbst angewiesen - und auf Unterstützerorganisationen in westlichen Ländern. Noch in Nairobi hat das Forum begonnen, sich eine wenngleich nur rudimentäre organisatorische Struktur zu geben, um der zugesprochenen Rolle gerecht zu werden. Beim Treffen in Bonn ist die Diskussion über interne Strukturen nun weitergeführt worden. Zu klären war die Frage, wie das Gremium funktionsfähig gehalten werden kann - bei denkbar ungünstigen Voraussetzungen. Die Beteiligten sind über den ganzen Globus verstreut; es gibt kein permanentes Sekretariat, das die Kommunikation in der Zeit zwischen den Konferenzen aufrecht erhält oder regionale Zusammenkünfte bzw. Expertentreffen organisiert; auch hat das Forum kein eigenes Budget, um solche Aktivitäten zu finanzieren. Die Delegierten haben sich auf folgende Struktur geeinigt: ein Internationales Koordinationskomitee, bestehend aus Vertreter/innen aus 13 Weltregionen, die von den regionalen Zusammenschlüssen und Dachverbänden indigener Organisationen bestimmt werden. Es lädt zu den Tagungen ein bzw. sorgt dafür, dass sie überhaupt stattfinden, und legt dafür das Programm fest. Aus seiner Mitte kommend und in der Zusammensetzung möglichst rotierend, bildet eine Auswahl von sieben Vertretern das Leitungsgremium (Steering Committee), dessen Aufgabe es ist, die Verbindung zum CBD-Sekretariat und den Kontakt mit den NRO, die die technische und finanzielle Unterstützung organisieren, aufrecht zu erhalten. Als weiteres Instrument dient ein Kommunikationskomitee, das Wege finden soll, wie alle Beteiligten gleichmäßig mit Informationen zu versorgen sind. So lange die Bedingungen unverändert fortbestehen, haben die Delegierten kaum eine Möglichkeit, sich zwischen den offiziellen Konferenzterminen zu treffen. Das Forum arbeitet innerhalb der CBD auch zu weiteren Themen; deshalb nahm die Vorbereitung auf kommende Konferenzen einen erheblichen Teil der Zeit in Anspruch. Für zusätzliche Belastung sorgten noch weitere Termine am Rande der Vorkonferenz: So trafen sich etwa die Angehörigen des Indigenous Women's Biodiversity Network zu zwei internen Meetings. Diejenigen Delegierten, deren Organisationen der International Alliance of Indigenous Peoples of the Tropical Forests angeschlossen sind, nutzten die Gelegenheit für ein Arbeitstreffen. Wenigstens haben sich mit der Erlangung eines offiziellen Status für das Forum die Arbeitsbedingungen während der Konferenz geändert. So erhielt das Forum vom Konferenz-Sekretariat einen eigenen Raum im alten Bundeshaus zugewiesen, wo es nach dem Umzug aus der Tagungsstätte am Venusberg seine Arbeit fortsetzen konnte. Ebenso konnten die Räumlichkeiten des Hauses für die Pressekonferenz des Forums in Anspruch genommen werden. Die vom IIFB vorgelegten Positionspapiere werden als offizielle Konferenzdokumente veröffentlicht. Ihre neue Rolle haben die indigenen Delegierten auch dadurch unterstrichen, dass das Forum als offizielles Gremium die übrigen Teilnehmer der CBD-Konferenz zu einem Empfang eingeladen hat. Die gewachsene Bedeutung des Forums kommt zudem dadurch zum Ausdruck, dass die Stadt Bonn für die Delegierten des Indigenen Forums bzw. die Teilnehmer der Vorkonferenz einen Empfang gab. Impressionen von diesen Events geben einige Bilder, die wir auf unsere Website gestellt haben (www.infoe.de).