Wald

Wildwest im EU-Tropenwald

Französischer Anthropologe: Vernichtung dreier indigener Völker droht Thierry Salantin hat 15 Jahre seines Lebens im tropischen Regenwald gelebt. Dabei hat er das Staatsgebiet Frankreichs nie verlassen, denn Französisch-Guyana, das an Brasilien grenzende Regenwaldgebiet von der Größe Portugals gehört als Departement der Republik an. Den sechs indigenen Völkern, die als einzige von vormals dreißig die Kolonialzeit überlebt haben, droht heute neues Ungemach: Während Goldgräber die Flüsse der Wayampi, Teko und Wayana mit Quecksilber vergiften, droht der französische Staat, den ohnehin bescheidenen Schutz, den die Indigenen genießen, vollends aufzuweichen. 97% der Fläche der Landesfläche Französisch-Guyanas sind von tropischem Regenwald bedeckt. Neun Zehntel der 200 000 Einwohner leben in drei Städten entlang der Atlantikküste. Der gesamte Rest des Landes ist so gut wie unbesiedelt. Nur entlang der Küste existiert eine Straße, alle anderen Gebiete sind ausschließlich über Wasserwege erreichbar. "Die Deutschen finanzieren einen großen Teil des Budgets der europäischen Union, ohne zu wissen, dass dieses Geld verwendet wird, um eine für die tropische Natur und seine traditionellen Bewohner gefährliche Politik zu unterstützen", meint Thierry Sallantin. Der französische Anthropologie verbrachte 15 Jahre seines Lebens bei den Wayampi, Teko und Wayana, bis der Konflikt mit dem französischen Staat und der einflussreichen Gold-Mafia ins Gefängnis brache. Seit drei Jahren wieder in Freiheit versucht er nun, die europäische Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, welche skandalösen Zustände im einzigen Regenwaldgebiet der europäischen Union herrschen. Französisch-Guyana ist eines lukrativsten Goldabbaugebiete der Welt, den kanadischen Konzern Cambior kostet die Unze des Edelmetalls nur 180 US-Dollar. Dabei überlässt das Unternehmen die eigentliche Förderung einheimischen Produzenten. Die eigentliche Drecksarbeit leisten überwiegend illegale Arbeitsmigranten aus dem armen Norden Brasiliens. Deren prekäre Lage nutzen die lokalen Bosse oft aus, indem sie ihnen den Lohn für ihre äußerst gesundheitsschädliche Arbeit vorenthalten. Wer sich dagegen wehrt, muss damit rechnen, mit einem Gewicht an den Füßen im nächsten Fluss versenkt zu werden. Neben den rechtlosen Arbeitsmigranten sind es die indigenen Amerindians, die unter diesen Weltwestverhältnissen innerhalb der französischen Republik leiden müssen. Die gravierendsten Folgen hat die andauernde Quecksilbervergiftung für ihre Kinder, bis hin zu schwerwiegenden Erbschäden. Zwar genießen die Indigenen bis heute einen gewissen Schutz, da das südliche Drittel Französisch-Guyanas einem strikten Schutzregime unterworfen und für Touristen geschlossen ist, doch befürchten die indigenen Vertreter/innen, wie auch unser Gast, dass ein von Präsident Chirac für das Ende diesen Jahres angekündigter Nationalpark im guyanesischen Regenwald diesen Status beenden wird, da nach französischem Recht ein Nationalpark jedem offen steht. Thierry Sallantin steht in engem Kontakt zu den indigenen Interessenvertreter/innen, doch selbst kann er nach eigenen Aussagen das Land nicht betreten, da er dort mit dem Tode bedroht ist. Sein Engagement hat ihm bereits sechs Jahre in einem guyanesischen Gefängnis eingebracht. Nach eigenen Aussagen wurde von der Gold-Mafia auf ihn ein Auftragsmörder angesetzt. Sallantin konnte sich nur um Haaresbreite vor dem Mordanschlag retten, wobei jedoch im Zweikampf der Auftragsmörder von der eigenen Waffe unglücklich getroffen wurde und starb. Für die französischen Behörden war dies willkommener Anlass, einen unbequemen Kritiker aus dem Weg zu räumen. INFOE wird Thierry bei seinem Anliegen unterstützen, die deutsche Öffentlichkeit über diesen vergessenen Skandal aufzuklären. So ist eine gemeinsame Pressekonferenz mit dem Dritte-Welt-JournalistInnen-Netzwerk in Vorbereitung. Der Anthropologe ist für Diskussionsveranstaltungen und Vorträge verfügbar, wobei auch die preisgekrönte englischsprachige Dokumentation "The Law of the Jungle" vorgeführt werden kann.