Im Rahmen der dreiteiligen Multiplikator*inne-Schulung „Globales Lernen durch Integration indigenen Wissens“ kamen am 16. Juni 2026 Interessierte und Multiplikator*innen aus unterschiedlichsten Fach- und Lebensbereichen im Krefelder Zoo, einem BNE-Regionalzentrum in NRW, zusammen. Nach der Online-Einführung am 21.4.2026 stand beim Outdoor-Workshop in Krefeld die praktische, sinnliche und interaktive Beschäftigung mit indigenem Wissen im Mittelpunkt. Mit Wahrnehmungsübungen, Geschichten und Übungen im Regenwaldhaus wurden die Sinne der Teilnehmenden geweckt und neue Perspektiven eröffnet. Die Teilnehmenden brachten Erfahrungen aus Bereichen wie Grafikdesign, Jura, Chemieindustrie, konservativer Landwirtschaft, Marketing, Ethnologie und Wirtschaft mit. Diese Vielfalt an Hintergründen sorgte für einen spannenden Austausch, bereichernde Diskussionen und zahlreiche neue Blickwinkel auf die behandelten Themen.
In einer einstimmenden Übung zur Bedeutung des Begriffs „einheimisch“ im Kontext biologischer und kultureller Vielfalt machten sich die Teilnehmenden auf die Suche nach etwas Heimischem in ihrer unmittelbaren Umgebung. Ob Gänseblümchen, Brennnessel oder Feder – die Natur bot vielfältige Anknüpfungspunkte für persönliche Assoziationen und Gespräche. Im weiteren Verlauf widmeten wir uns grundlegenden Fragen rund um die Beziehung zwischen Natur und Umwelt bei uns sowie in indigenen Gemeinschaften: Was verstehen wir eigentlich unter diesen Begriffen? Warum trennen wir Natur und Umwelt oft von anderen Lebensbereichen? Oder umfasst Natur nicht vielmehr unser gesamtes Leben? Und wo liegt die Grenze zwischen einem respektvollen Verständnis indigenen Wissens und dessen Aneignung?

®PASD-Pgakenyaw Association for Sustainable Development: Schüler-Zeichnung aus MaeYod
Anhand des Beispiels der zirkulierenden Landwirtschaft der indigenen Karen-Gemeinschaft in Thailand erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Beziehung der Karen zu ihrer Umwelt oder besser gesagt, ihrer Mitwelt sowie über deren alternative Formen der Landnutzung. Dabei wurde deutlich, wie durch gezielte Brandrodungen nährstoffreiche Böden wiederhergestellt und gleichzeitig natürliche Regenerationsprozesse unterstützt werden können. Das Beispiel zeigte eindrucksvoll, dass bei nachhaltiger Landwirtschaft indigener Gemeinschaften eine ausgewogene Balance zwischen Nutzung und Erhalt natürlicher Ressourcen im Mittelpunkt steht. Mithilfe des Bildungsmaterials von INFOE zu Kultur, Praktiken und Geschichten der Karen erarbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen wie sie diese Inhalte in ihren eigenen Tätigkeiten und Arbeitsfeldern einsetzen und vermitteln können.
Den Abschluss des Tages bildete eine Führung durch das Regenwaldhaus des Krefelder Zoos mit Gaby Borg, Diplom-Biologin und pädagogische Leiterin des BNE-Regionalzentrums. Während des Rundgangs erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die enorme Biodiversität tropischer Lebensräume und die komplexen Zusammenhänge dieser Ökosysteme.
Zum Ausklang nahmen wir unsere Umgebung noch einmal ganz bewusst wahr. Im Regenwaldhaus und auf dem Zoogelände erzählten sich die Teilnehmenden gegenseitig kleine Geschichten, Erinnerungen und Erfahrungen rund um Tiere und Pflanzen. Die Erzählungen reichten von entspannten, aber stets hungrigen Krokodilen über badende Schlangen bis hin zur oft unterschätzten „Powerpflanze“ Brennnessel.
Nach einem ereignisreichen Tag voller Begegnungen, anregender Gespräche und neuer Impulse gingen die Teilnehmenden mit zahlreichen Denkanstößen und methodischen Anregungen nach Hause – und vielleicht auch mit einem geschärften Bewusstsein für die vielfältigen Beziehungen zwischen Mensch, Natur und Wissen.
Den Abschluss der dreiteiligen Schulung bildete ein Online-Nachbereitungstreffen am 2. Juli 2026. Zu Gast war Siwakorn, ein spiritueller Führer der Karen, der den Teilnehmenden auf sehr persönliche Weise die Lebensweise der Karen, zentrale kulturelle Aspekte sowie ihre enge Verbundenheit mit der Natur näherbrachte.
Die Zeit für die Fragen der Teilnehmenden verging viel zu schnell. Das machte einmal mehr deutlich, wie wertvoll und bereichernd der direkte Austausch mit indigenen Vertreter*innen ist, wenn wir uns im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) mit indigenem Wissen auseinandersetzen. Dankbar für die vielfältigen Begegnungen und Gespräche endete die Schulung mit vielfältig inspirierten Teilnehmenden und wertvollen Impulsen für die weitere Bildungsarbeit.
Von Lena Galley und Sabine Schielmann

