Brasilien: Bundesstaatsanwaltschaft verklagt FUNAI wegen Bedrohung Indigener durch Staudamm in Rondônia

Klage gegen FUNAI wegen Nicht-Beachtung indigener Territorien bei Umweltfolgenstudie für geplantes Wasserkraftwerk Tabajara in Rondônia. Auch in freiwilliger Isolation lebende Indigenen gefährdet.

Von Christian Russau

Die Bundesstaatsanwaltschaft MPF hat eine öffentliche Zivilklage gegen die brasilianische Indigenenbehörde FUNAI eingereicht, um diese zu einer umfassenderen Analyse der Folgenabschätzung bezüglich des geplanten Bau des Wasserkraftwerks Tabajara am Ji-Paraná-Fluss, auch vereinzelt Machado-Fluss genannt, im amazonischen Bundesstaat Rondônia zu zwingen. Dies berichtet die Bundesstaatsanwaltschaft auf ihrer Internetseite.

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Wir tanzen, damit die Schlange im Wasser bleibt

Im Sommer 2020, inmitten der Coronapandemie, hat die indigene Gemeinschaft Mairidicai (Comunidad Nativa de Mairidicai) den Beschluss gefasst, die erste Maloka, das Haus der Gemeinschaft, seit über 50 Jahren zu bauen.

In der Maloka vereinen sich verschiedene Völker, um das Wort für die Heilung zu finden. In diesem Fall für die Heilung von den derzeitigen Katastrophen und Missständen, in denen sich die Welt aktuell befindet. Krankheiten, Klimakatastrophen, Hunger, Gewalt und Kriege usw. Wie es Arlen Ribeira von den uitoto bezeichnet hat: „Die Maloka ist unsere eigene „COP“ („Weltklimagipfel“).“

Am 16. Oktober 2021 hat Mairidicai nun die Maloka eingeweiht. Seit wir im Winter 2020 die Botschaft von Gabriel, einem der Ältesten der Gemeinschaft, mit der Bitte um Unterstützung erhalten haben, haben wir die Vorbereitungen begleitet und unterstützt und wurden eingeladen, an der Einweihung teilzunehmen. Der Einweihungsfeier stand Pedro Junior von den murui als dueño de la maloka (illàima) vor. Seine Frau Astrid von den bora ist die dueña de la Maloka.

 
Junge VertreterInnen der indigenen Gemeinden machen sich bereit zum ‚Einweihungstanz‘

Seit dem frühen Nachmittag des 16.10. bis um fast 6 Uhr morgens wurde in der Maloka zusammen getanzt und gesungen, damit die weisen Männer, die in einer eigenen Ecke der Maloka sitzen und mambé zu sich nehmen, das heilende Wort finden können. Zur Unterstützung nehmen alle Teilnehmenden caguana, Honig und Ampiri (flüssigen Tabak, llera in uitoto/murui) zu sich. Caguana ist ein stärkehaltiges Getränk aus Yuka-(Maniok)Mehl, für das es spezielle Rezepte gibt, damit es nicht schnell zur Neige geht. Die Frauen verteilen die Caguana. Von den weisen Männern erhalten alle Honig und ampiri, wobei man* zunächst den Honig und dann ampiri zu sich nimmt. Der Honig, hat Junior am Tag danach erläutert, steht symbolisch für die Frauen. Danach erst wird das ampiri aus Tabak genommen. So wird das Wort sanfter, süßer gemacht, das die Männer für die Heilung suchen.

„Grundlage ist,“ so Pedro Junior, „immer der Beitrag der Frauen symbolisiert durch den Honig“.

Dies ist die Botschaft, das Wort (palabra) der Maloka:

„Dies ist der Anfang. Schritt für Schritt werden mehr Menschen, mehr Völker dazukommen. So lange Zeit haben wir gewartet. Es wurde immer gesagt, dass sie kommen würde – fast konnten wir es nicht mehr glauben. Aber nun ist sie gekommen.“

 
Aufnahme der Einweihungsfeierlichkeiten in der Maloka

Die Einweihung der Maloka fand auch in einem langen Beitrag im lokalen Radiosender Erwähnung, der die Feier als einen historischen Moment und von großer Bedeutung für die Besinnung auf und den Erhalt des kulturellen Erbes der in der Maloka versammelten Völker hervorhob, die während des Kautschukbooms und danach Furchtbares erlebt haben. Lobend wurde außerdem erwähnt, dass auch internationale Gäste aus z.B. Deutschland, Polen und Kolumbien bei der Einweihung anwesend waren. Die Maloka wird auch Thema des gemeinsamen Side Events von INFOE, KLIMA-BÜNDNIS UND ASTM am 9.11.2021 auf dem Weltklimagipfel („COP 26“) in Glasgow sein.

Am 11.11.2021 um 18:00Uhr wird uns Arlen Ribeira im Rahmen der Ringvorlesung „Caminos indígenas: Resistir, superar y crear en el transcurso del tiempo de un mundo globalizado“ , die von der Abteilung für Altamerikanistik der Universität Bonn in Kooperation mit INFOE organisiert wird, mehr von der Maloka und ihrer Bedeutung erzählen. Die Online Veranstaltung findet auf Spanisch statt und ist für Gäste offen. Interessierte wenden sich bitte an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wir danken allen, die mit Worten, Taten und Spenden unterstützt haben. Und wir laden alle ein, dazuzukommen. Die nächste Feier der Maloka soll wahrscheinlich im September nächsten Jahres mit der Danza de la Abundancia (Tanz der Fülle) stattfinden.

Spenden zur Deckung der Kosten, die der Gemeinschaft für den Bau und die Durchführung Einweihungsfeier entstanden sind (z.B. Transportkosten für die Rückkehr von Teilnehmenden aus den indigenen Gemeinschaften Arica und in Kolumbien) oder für künftige Aktivitäten der Maloka können gerne an das Konto von INFOE e.V. bei der Postbank Köln, DE26 3701 0050 0098 5565 01, BIC: PBNKDEFF, Stichwort „Maloka“, gesendet werden. Sie werden an das Konto der Comunidad Nativa Mairidicai weitergeleitet. Eine Spendenquittung kann ausgestellt werden.

Text: Elke Falley-Rothkopf

Fotos: Arlen Ribeira

Multiplikator*innen Wanderung am 09.10. - Den Lernort Wald mit allen Sinnen Entdecken

INFOE beteiligt sich am 9.Oktober mit einer Wanderung mit Multiplikator*innen bei den BNE-Tagen in Rheinland-Pfalz 2021.

Sachunterricht und Biologie im Wald? Ja, da können wir viel beobachten, erkunden, forschen und entdecken mit all unseren Sinnen. Aber Deutsch, Mathe, Englisch oder gar Latein! Wie soll das ‘sinn-voll‘ im Wald gehen und auch noch allen Spaß machen?

Über und im Wald gibt es viel zu erfahren und zu lernen. Wir möchten den Wald als Lernort und als ‚Lehrer‘ entdecken und herausfinden, was wir dabei über uns selbst, über Bewegungsabläufe, Pflanzengemeinschaften oder das Klima vom Wald, seinen Pflanzen und Tieren lernen können.

Gemeinsam entdecken wir Spuren im Lernort Wald mit Spielen, sinnlichen Übungen und Aufgaben. Der Wald wird aus verschiedenen Perspektiven – z. Bsp. verschiedener Tiere – betrachtet. Über Geschichten aus indigenen Gemeinschaften erfahren wir etwas über Bedeutung des Waldes in anderen Kulturen und ermöglichen eine andere Perspektive auf den Wald. Dies beinhaltet auch die Rolle des Menschen als Teil des Ökosystems Wald, was bei manchen kulturellen Gemeinschaften in der Selbstbezeichnung ‚Menschen des Waldes‘ zum Ausdruck kommt. Auf diesem Weg wird die eigene Beziehung zum Wald und zu Bäumen (er-)spürbar. Sie bildet die Basis für ein ‚Sein‘ und ‚Lernen‘ im Wald. Für die ‚großen‘ Teilnehmenden wird es außerdem praktische Tipps für den Schulunterricht und die Bildungsarbeit geben.

Anmeldung und weitere Informationen:

E-mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Tel: 06302 607 4134; Mobil: 0178 140 7642

Karamojong in Uganda brauchen Unterstützung

Die Karamojong sind Wanderhirt*innen im Norden Ugandas. Im letzten Jahr war das Gebiet besonders von der Heuschreckenplage und den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Nun ist jedoch ganz Uganda von der zweiten Covid-Welle überrollt worden. Wie Simon Peter Longoli vom Karamoja Development Forum in Moroto berichtete, trifft die Covid-Welle die Region Karamoja besonders hart und verschärft die ohnehin äußerst schwierige Situation in der krisen- und konfliktgebeutelten Region. Medizinische Versorgung und Aufklärung erreichen die abgelegenen Gemeinschaften der Karamojong-Wanderhirt*innen nicht und die Kinder gehen nun seit mehr als einem Jahr nicht in die Schule. Es fehlt an Sauerstoff und die Krankenhäuser sind bereits völlig überlastet.

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Brasilianische Agrarlobby fordert Austritt des Landes aus der ILO-169 Konvention zum Schutze der Rechte der indigenen Völker

Wie Bolsonaro sieht die mächtige Farmer:innenfraktion im brasilianischen Nationalkongress die ILO-169 als Hindernis für Entwicklung und Einschränkung der nationalen Souveränität. Der Weg für massive Inwertsetzung indigener Territorien für industrielle Landwirtschaft, Bergbau und Wasserkraftwerke soll frei gemacht werden.

Brasiliens Agrarlobby lässt in ihrem rücksichtlosen Kampf gegen kleinbäuerliche Strukturen und gegen indigene Territorien nicht locker, im Gegenteil: Sie verschärfen die Angriffe. Dies zeigt sich nicht nur in den Versuchen, die indigenen und sozialen Bewegungen auf dem Land zu kriminalisieren und durch einen Diskurs des Hasses gesellschaftliche Narrative zu etablieren, die gezielte Übergriffe auf Indigene und andere traditionelle Territorien und Landbesitze zu stimulieren, sondern auch an der strukturell-finanziellen Aushöhlung von staatlichen Umwelt- und Menschenrechtsorganen wie Ibama, ICMBio oder FUNAI.

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Zehn Jahre UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte: INFOE beim UN-Menschenrechtsrat

Am 1. Juli werden IWGIA, INFOE, Indigenous Rights International und das Observatorio Ciudadano  gemeinsam bei der 47. Sitzung des UN-Menschenrechtsrates eine Studie vorstellen, die eine Bilanz von zehn Jahren UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte aus der Sicht indigener Völker zieht. Über die Studie werden anschließend Vertreter:innen indigener Völker aus fünf Regionen sowie der UN-Sonderberichterstatter für Rechte indigener Völker diskutieren.  Die Veranstaltung findet online statt. Weitere Informationen und ein Formular zu Anmeldung finden sich unter http://bit.ly/35PWu3M

 

Indigene protestieren in Brasília gegen „Todesprojekt“ der Regierung

Mehr als 800 Indigene aus ganz Brasilien sind diese Woche nach Brasília gereist, um dort gegen die systematischen Angriffe seitens der Bolsonaro-Regierung zu protestieren. Die Indigenen wandten sich dabei gegen den Gesetzentwurf 490/2007, der Infrastrukturprojekte in indigenen Territorien gestatten soll, wenn es dem „relevanten öffentlichen Interesse des Bundes“ dient, und erklärten demonstrativ das indigene „Nein“ zu Gesetzesformulierungen wie dem sogenannten „marco temporal“, einer Stichtagsregelgung, nach der konservative Kräfte in Wirtschaft, Politik und Justiz versuchen, alle Demarkierungen indigener Territorien auf jene Gebiete zu beschränken, in denen direkt vor 1988 (dem Jahr der neuen brasilianischen Verfassung) Indigene gelebt hätten, ein umstrittenes Rechtskonstrukt, das de facto den jahrhundertlangen Landraub an Indigenen legalisieren würde. Die Indigenen protestierten auch gegen weitere Gesetzesvorhaben, wie das Vorhaben von Jair Bolsonaro, in indigenen Territorien Bergbau, industrielle Landwirtschaft und Energieprojekte wie Wasserkraftwerke und Staudämme zu ermöglichen, und wandten sich gegen die neuen Maßnahmen, die vorgeblich die Natur und Umwelt schützen sollen, wie das Programm „adote um parque“ („Adoptiere einen Park“), bei dem private Unternehmen gegen Gebühren zur Finanzierung der Naturschutzgebiete in Amazonien beitragen sollen, ohne dass aber die in den nachhaltig genutzten Schutzgebieten – wie den Nutz- und Sammelreservaten beispielsweise – dort lebenden Bewohner:innen konsultiert würden.

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