Am Samstag, den 07.03.2026, bot sich für INFOE eine ganz besondere Möglichkeit für einen Workshop: im Rahmen des Junior-Club im und mit unserem Kooperationspartner, dem BNE-Regionalzentrum ‚Zoo Krefeld‘ konnten wir lokale Bildung für nachhaltige Entwicklung mit einem virtuellen Austausch mit unserer Partnerin Katty Gualinga aus Sarayaku, Ecuador, verbinden. Der monatlich stattfindende Junior-Club ist eine tolle Möglichkeit für Kinder und Jugendliche, Forschung und Bildung hautnah mitzuerleben und spannende Themen auf interaktive Weise kennenzulernen.
In unserem Workshop ging es um das Verständnis von einem ‚Guten Leben‘ bei einer indigenen Gemeinschaft in Ecuador: Die Kichwa von Sarayaku sind ein indigenes Volk im ecuadorianischen Amazonasgebiet, das für seinen entschlossenen Widerstand gegen Ölbohrungen und den Schutz seines Territoriums am Río Bobonaza bekannt ist.
Den Workshop starteten wir mit der Geschichte zur Guayusada, einer Tee-Zeremonie zur Stärkung und Reinigung für Erwachsene und Kinder zu Beginn eines Tages, in der die Naturverbundenheit der Menschen zum Ausdruck kam. Guayusa heißt der Tee, der oft schon in den frühen Morgenstunden drei- bis viermal im Monat in großer Runde getrunken wird und einen reinigenden Effekt haben soll. Die Menschen trinken ihn zum Beispiel, wenn eine wichtige Entscheidung ansteht und besprochen werden muss. Wir haben die Kinder gefragt, was sie denn so zum Frühstück trinken. „Auch Tee“, antworteten ein paar, aber auch „Kakao“, „Saft“ oder einfach „Wasser“.

® Friederike Heidelberg
Daraufhin haben wir mit den Kindern über die Geschichte gesprochen und sie konnten sich einige Fotos vom Leben der Kichwa in Sarayaku anschauen. Die Kinder haben dann beschrieben, was sie auf den Fotos sehen. Anschließend haben wir mit den Kindern eine Videobotschaft von Katty (einer Kichwa-Angehörigen) angeschaut, die wir auch später noch per Zoom dazuschalten würden. Dadurch konnten die Kinder einen Eindruck von dem Lebensraum der Kichwa in Ecuador und der naturverbundenen Lebensart der Gemeinschaft gewinnen.
Nach einer stärkenden Frühstückspause ging es weiter. Nun sollten die Kinder aus einem gefalteten Blatt Papier einen Rahmen ausschneiden. Dieser konnte jegliche Form haben. Daraufhin sind wir in das Regenwaldhaus des Zoos gegangen. Das Regenwaldhaus ist der Ort im Zoo, der dem Lebensgebiet des Kichwa-Volkes am nächsten kommt.
Die Kinder hatten nun Zeit, um ganz in Ruhe durch das Tropenhaus zu gehen und sich eine Stelle auszusuchen, die für sie von besonderer Bedeutung war. An diese Stelle konnten sie dann ihren Rahmen hängen. Nachdem alle Kinder fertig waren, sind wir mit der Gruppe gemeinsam durch die von ihnen kreierte Ausstellung gelaufen und haben uns durch die Rahmen die besonderen Plätze der Kinder angeschaut.

® Friederike Heidelberg: Bilderrahmenübung im Regenwaldhaus
Dieses Erlebnis hat den Kindern dabei geholfen, ihre Umgebung nicht nur durch die Augen der anderen wahrzunehmen, sondern auch eine Sensibilität für Details in ihrer Umwelt zu entwickeln, die man normalerweise leicht übersieht. Es war spannend zu sehen, welche unterschiedlichen Plätze sich die Kinder ausgesucht haben, und zu erfahren, warum diese Plätze für sie so besonders waren.
Anschließend gab es noch einen virtuellen Austausch mit Katty. Trotz etwas holpriger Internetverbindung waren alle von dem Austausch begeistert. Die Kinder waren sehr interessiert und haben tolle Fragen gestellt. Sie fragten unter anderem: „Welche seltenen Tiere gibt es?“, „Aus welchen Materialien bestehen die Häuser?“, „Welche Veränderungen hat die Abholzung des Regenwaldes auf ihr Leben?“ und „Wie oft wird der rituelle Tee getrunken?“.
Katty hat alle Fragen gerne und ausführlich beantwortet, wodurch es für alle zu einem spannenden Austausch kam. Dadurch, dass die Kinder mit einer Angehörigen des Volkes sprechen konnten, über das sie gerade etwas gelernt hatten, konnten sie das neue Wissen greifbar erfahren und lebhaft verarbeiten.
Katty beendete den Call, indem sie an die Kinder appellierte, das Wissen mit ihren Freunden und Familien zu teilen und verantwortungsvoll mit ihrer Umgebung und den Lebewesen, die dort leben, umzugehen. Nachdem sich die Kinder von Katty verabschiedet hatten, konnten wir noch eine kleine Feedbackrunde mit den Kindern durchführen, um das Gelernte zu rekapitulieren und einzuordnen. Für die Kinder war dies ein besonderer Junior-Club, in dem es einmal nicht nur um Tiere des Regenwaldes ging, sondern auch darum wie Menschen anderer Kulturen mit ihrem Wissen im und mit dem Regenwald leben und diesen achten und schützen.
von Friederike Heidelberg

