Am 5.11.2025 sind wir mit einem Online-Input in das Thema unseres Outdoor-Moduls #5 zu Pastoralismus weltweit eingestiegen. Im Rahmen eines Methodenseminars des Instituts für Ethnologie der Uni Köln wurden die Studierenden verschiedener Fachrichtungen (Ethnologie, ‚Culture and Environment in Africa‘, Geopgrahie und Philosophie) mit einem Beitrag von Esther Atem und Sabine Schielmann in das Thema eingeführt. Der Input war teilweise als Interview mit Esther gestaltet, die sowohl von der Praxis der Wanderweidewirtschaft in Karamoja, Uganda, berichtete als auch von ihren Begegnungen mit Weidetierhalter*innen, Studierenden und Wissenschaftler*innen während ihres Besuchs in Deutschland. Um den Studierenden bereits methodische Impulse sowie kritische Anregungen für Forschungstätigkeiten und die Beschäftigung mit indigenen Gemeinschaften, Wissen und Praktiken zu geben, teilte Esther ihre Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit INFOE, als indigene Expertin und Wissenschaffende, als Informantin, Partnerin, als Lehrende und Lernende sowie zu damit verbundenen Herausforderung und Bereicherungen.


®Sabine Schielmann, Wasserbüffel am Hornpottweg
Derart sensibilisiert unternahmen die Studierenden am 10.11.2025 eine Exkursion zum Beweidungsprojekt des NABU und der Stadt Köln am Hornpottweg. Begleitet wurde die Exkursion von Sönke Geske vom NABU, der die internationale Studierenden-Gruppe fachkundig nicht nur in die ökologische und tierhalterische Bedeutung der Landschaftspflege mit Weidetierhaltung einführte, sondern auch sozio-kulturelle Aspekte beleuchtete. Während der Exkursion hatten die Studierenden bereits die Möglichkeit erste Forschungs-Methoden zu testen, wie Interviews und (teilnehmende) Beobachtung, um ihr Verständnis der lokalen und globalen Bedingungen und Bedeutungen der (Wander-)Weidetierhaltung im Kontext von Ernährungssicherung, Natur- und Klimaschutz zu erweitern.
Bei einem Online-Nachtreffen mit Esther Atem am 11.2.2026 schließlich gab es sowohl für die Studierenden als auch die Teilnehmer*innen der weiteren Workshops mit Esther während ihres Besuchs die Möglichkeit, auf die Erkenntnisse aus den Begegnungen und der Beschäftigung mit den Themen Pastoralismus und kulturelle Resilienz zurückzublicken und mit den anderen Teilnehmenden zu teilen. Gemeinsam mit Esther reflektierten wir praktische Ergebnisse und besprachen weitere mögliche gemeinsame Schritte und Aktivtäten, sei es im Bereich des Schulunterrichts, des Studiums, der Forschung oder der Zusammenarbeit für eine Förderung des Pastoralismus im Internationalen Jahr der Weidelandschaften und des Hirtentums 2026. Der Austausch mit Esther berührte auch Fragen im Hinblick auf Finanzierung und die Notwendigkeit für ein neues Narrativ bezüglich des Pastoralismus. Esther antwortete daraufhin, dass das Geld häufig in die Hände der falschen Männer gerate, die den Pastoralismus nicht unterstützen wollten, weil er in ihren Augen durch die kleinen Kühe [in Uganda] und die geringe Menge an Milch keinen wirtschaftlichen Nutzen habe. Esther betonte, dass Pastoralismus ein sehr adaptives System sei, das über Jahrhunderte hinweg bestehe und aufgrund falscher Narrative auch lokal nicht richtig verstanden werde. Finanzielle Unterstützung, die die Lebensweisen der Pastoralist*innen fördert, könnte für alle von Vorteil sein. Esther erwähnte auch den Kobebe-Damm, der im Nordosten Ugandas für verschiedene Pastoralisten-Völker die wichtigste Wasserquelle darstellt. Diesem geht aktuell das Wasser aus, was katastrophale Folgen für die Menschen und Tiere vor Ort haben könnte. Dies wird von den Autoritäten vor Ort jedoch nicht als Notfall angesehen, und die Menschen erhalten keine Unterstützung, sondern treffen nur auf Ignoranz gegenüber der Lebensweise der Pastoralist*innen.
Der Austausch schloss mit vielen neuen Erfahrungsberichten und Ideen für weiteres – lokales – Engagement und globale Zusammenarbeit. Im Rahmen der dreiteiligen Modul-Veranstaltungen wurde allen Beteiligten eine interdisziplinäre, interaktive und interkulturelle Auseinandersetzung mit dem Thema Pastoralismus ermöglicht.

